„Mit Songs kannst du alles machen!“

Das Geschwisterpaar Angus and Julia Stone ist Australiens erfolgreichster Musikexport nach Kylie Minogue. Mit ihrem neuen Album „Down the Way“ tourte die Band im Frühjahr auch durch Deutschland. Wenige Stunden vor ihrem Auftritt in München hatten wir die Chance mit Angus über das Leben on und off Stage zwischen Down Under und London zu sprechen. Im Interview verrät der junge Singer/Songwriter wie er auf Groupies reagiert, woher seine Songs kommen und wie er damit umgeht immer wieder vom Ozean getrennt zu sein.

Wer sich jetzt denkt, “Au Mann, jetzt muss ich hier acht Screens durchlesen” – dem sei gesagt: Das Interview gibt es auch in mp3-Audioform in ohrgerechte zwei Happen verpackt: der erste Teil ist hier herunterzuladen, der zweite Teil hier. Wohl bekomm´s, die TIDE Soundstudios wünschen angenehmenes Hörerlebnis!

TIDE: Angus, ein Klassiker zu Beginn: Was kam zuerst – Surfen oder Musik? Angus: Surfen kam auf alle Fälle zuerst. Ich bin in Newport, einem Strand nahe Sydney aufgewachsen und sobald wir laufen konnten, waren wir unten am Strand und haben schwimmen gelernt. Und „Nippes“ – eine Art Meereskunde für Kinder, wo man lernt wie gefährlich und zugleich wundervoll der Ozean sein kann.

Wie hart ist es für dich das Surfen zeitweilig aufzugeben um zu reisen und Musik zu machen? Musik ist für mich ein gleichwertiger Ersatz zum Surfen. Ich meine manchmal ist es schon schwer so lange vom Ozean getrennt zu leben, aber im Grunde macht es mich nur noch heißer auf Surfen, weil ich es zuvor so sehr vermisse. Wenn ich nicht zum Surfen komme, vermisse ich es manchmal sogar so sehr, dass ich mir die ganzen kleinen Rituale, die man vor und nach dem Surfen so hat, bildlich vorstelle – wie man ins Line-Up paddelt und so weiter.

In einem Interview hast du gesagt: „I am frothing at the mouth away from water.“ Und dass du deshalb manchmal deine eigenen Wellen erzeugen musst – Wie machst du das? Ich weiß nicht ganz genau. Ich denke über die Musik kann man zumindest die Suche nach den Wellen nachahmen, auch wenn sie sich ein wenig von der herkömmlichen Wellensuche unterscheidet. Mit Hilfe der Musik kannst du dir beispielsweise deine eigenen Riffe bauen.

Deine eigenen Riffe? Wie funktioniert das denn? Nun, indem du Songs schreibst. Da gibt es keine Grenzen – du kannst mit Songs alles anstellen. Aber im Prinzip ist es dasselbe mit dem Surfen. Als aller erstes musst du deine Welle finden.

Welcher Song auf dem neuen Album „Down the Way“ ist ein Point-Break? (lacht) Großartig! (überlegt lange) Es gibt einen Song, der definitiv eine ziemlich lange und entspannte Welle sein würde, vergleichbar mit dem Spot Broken Head von zuhause, nahe Byron Bay. Der Song heißt Yellow Brick Road. Als wir in Kalifornien waren, habe ich diesen Song geschrieben. Darin geht es darum sich zu verlieben und die Seele baumeln zu lassen. Der Song vermittelt ein sehr detailliertes Bild und Gefühl davon, wie man mit Freunden und Familie entlang der Ocean Road fährt und das Leben genießt.

Nun da du als Musiker soviel unterwegs bist und die Abschnitte in denen du getrennt vom Meer bist länger werden – kann man da sagen, dass deine Surfsaison sich in eine Dry-Season und eine Wet-Season aufteilt. Du also das halbe Jahr lang trocken bleibst, bevor für dich erneut die Regen- bzw. Surf-Saison beginnt? Auf jeden Fall. Selbst wenn ich meine Surfsachen hierher mitgebracht hätte wäre es mir hier zu dieser Jahreszeit viel zu kalt. Also kann man die Zeit in der ich auf Tour bin durchaus als „Dry-Season“ bezeichnen. Eigentlich eine sehr gute Sicht der Dinge.

Planst du auch dementsprechend, wenn Julia, deine Tourmanager und du euch zusammensetzt? Meldest du diesbezüglich auch mal Surfer-Ansprüche an und sagst: spätestens wenn in Australien die Wellensaison beginnt, müssen wir wieder zuhause sein? Nein. Da mach ich mir gar keinen Stress mit. Ich liebe es Musik zu spielen, zu touren und all die Dinge zu erleben, die da dran hängen. Sollte ich irgendwo spielen, wo Wellen brechen, ist das ziemlich cool, aber wie auch immer es ist: It’s all good.

Aus den vielen Artikeln, die über euch bereits geschrieben wurden, habe ich einige Eigenschaftswörter zusammengesucht, mit denen die Journalisten versuchen euch zu beschreiben. Während sie für dich Wörter wie „soft, laid-back, equally genial and shy, innocent and quite“ benutzen, beschreiben sie Julia, als „intriguing, jaunty, talkative and outgoing“ – würdest du das so unterschreiben? Das ist ziemlich nah dran, ja.

Wie wirken sich eure gegensätzlichen Charaktereigenschaften auf eure Musik aus? Julia als die kontaktfreudige, laute und du als der ruhigere, eher in sich gekehrte…oder kreiere ich gerade Zusammenhänge, wo es keine gibt? (überlegt lange) Es ist schwierig diese Tatsache in irgendeine Gesetzmäßigkeit zu packen. Wie das genau funktioniert kann man wahrscheinlich gar nicht nachvollziehen. Für mich persönlich sind die Songs, die Julia schreibt einfach nur ehrlich und wunderschön und lassen mich ähnliche Gefühle und Erfahrungen erneut durchleben, die ich an einer anderen Stelle oder zu einer anderen Zeit gemacht habe. Diese Vertrautheit zu spüren ist etwas ziemlich angenehmes. Ich bin richtig dankbar dafür mit einer so talentierten Frau zusammen zu arbeiten.

Und ihr kommt immer noch gut miteinander aus? Nach vier Jahren des gemeinsamen Reisens, Arbeitens und Musikmachens – Immerhin seid ihr nach wie vor Bruder und Schwester. Wir hatten uns früher sogar noch öfter in den Haaren als heute. Mittlerweile wissen wir genau wie der andere tickt und wie wir in bestimmten Situationen miteinander umgehen müssen. Von den kindlichen Geschwisterkämpfen von damals ist kaum was geblieben. Wir sind heute eher enge Freunde, die zusammen Musik spielen.

Wenn du an die letzten vier Jahre zurückdenkst – Welche Veränderungen hast du als Person durchlaufen? Ich verändere mich ständig und entwickle mich scheinbar täglich zu einer anderen Person.

Auf welche Weise? Besonders indem ich neue Leute treffe und ihre Geschichten höre und ich mitbekomme wie sie leben und welche Lebenswirklichkeit sie ihr Eigen nennen. Aber auch innerhalb unserer Band haben wir täglich so viele neue Informationen auszutauschen und so viel Input, dass es beinahe zuviel ist um das alles zu verarbeiten. Jeder Tag on tour ist ein neues Lernerlebnis.

Eine Sache, die ich nicht mit Sicherheit herausfinden konnte ist: Wer von euch hat angefangen Songs zu schreiben und sie vor Publikum zu performen? Julia oder du? Julia kam aus Südamerika zurück, als ich ihr einige meiner Songs präsentierte, die ich in der Zeit, in der sie unterwegs war, geschrieben hatte. Damals wohnten wir im alten Haus unseres Vaters, an den Northern Beaches in Sydney. Es nennt sich noch heute „the cottage“. Dort habe ich Julia einige Songs vorgespielt und sie war sofort total gestoked. Also hat sie angefangen Gigs und Open-Mic-Nights im Ort zu organisieren. Wäre Julia nicht gewesen, ich wäre niemals auf die Idee gekommen, mir diesen Stress zu machen.

Warum nicht? Ich bin einfach zu faul. Ich saß den Großteil meines Tages nur auf der Couch rum, hab geschrieben und sonst was getrieben…

Bis Julia dir in den Hintern getreten hat. Yeah. (lacht) Wir haben bald schon unsere ersten Gigs in alten staubigen und verrauchten Pubs gespielt und wenig später hat auch Julia angefangen Songs zu schreiben und mich gefragt, ob sie den ein oder anderen bei meinen Gigs spielen dürfte. Da habe ich natürlich gesagt: „it’s all good“ klar kannst du die spielen, es wäre mir eine Ehre.

Das war also der Moment in dem die Idee geboren war, fortan zusammen aufzutreten und was Großes zu starten? (lacht) Yeah, „let’s team up and go big“ (lacht). Nein. Eigentlich stand es nie zur Debatte irgendetwas Großes zu zweit zu starten. Wir haben uns nie dazu entschieden, nach dem Motto: So, jetzt geht’s los. Es hat sich vielmehr so ergeben und auf unserem Weg ist bis heute immer wieder eins zum anderen gekommen. Hier sind wir also.

Spielst du heute noch mit derselben Hingabe und aus den gleichen Beweggründen heraus, wie damals, als du anfingst vor Publikum zu spielen? Im Prinzip weiß ich gar nicht, warum ich überhaupt damit angefangen habe Songs zu schreiben. Wahrscheinlich habe ich es nur für mich getan – als eine Art meditative Handlung, die mich entspannt und mit deren Hilfe ich mich besser verstehen lerne. Als wenn du dir nur beim Schreiben klar machen könntest, wie du dich gerade fühlst, während du es niemals anders hättest ausdrücken können. In Songs bist du immer ehrlicher zu dir selbst – es ist eins dieser Schlupflöcher, die dir helfen deine eigenen Probleme zu erkennen und zu benennen und gleichzeitig etwas schönes aus ihnen zu machen.

Funktioniert das für dich? Ja. Auf jeden Fall. Wenn ich mir beispielsweise heute Songs anhöre, von damals, als ich mit dem Songwriting begonnen habe, merke ich was ich seither schon alles durchgemacht und erlebt habe und welche Probleme mich damals beschäftigt haben, die mich heute nicht mehr umtreiben. Das ist fantastisch. Beinahe so als würde man in einem Buch voller Kurzgeschichten lesen.

Einer meiner Lieblingssongs auf eurem neuen Album, stammt von dir. Er heißt „Draw your Swords“ und beschehrt mir jedes Mal eine Gänsehaut – an wen denkst du wenn du solche Lieder schreibst und performst? Oh, cool. Den Song „Draw your Swords“ habe ich für meine Ex-Freundin geschrieben, mit der ich drei vier Jahre zusammen war. Es ist ein Lied, das davon erzählt unterwegs zu sein und von dem den man liebt, getrennt zu leben, während beide nicht wissen, was passieren wird. Im Grunde geht es darum seiner Geliebten zu vergewissern, dass sie die einzige ist, die man liebt und dass alles am Ende gut ausgehen wird.

Deine Songs entstehen also aus einem persönlichen Gefühl heraus und handeln schließlich von der Liebe im Allgemeinen, sodass sie von jedermann nachvollziehbar werden? Ganz genau.

Weiß deine Ex-Freundin, dass du diesen Song für sie geschrieben hast, oder ist das ein Geheimnis? Ich denke ich habe es ihr nie gesagt, aber ich glaube sie weiß es. Aber der Song ist definitiv in einer Phase in meinem Leben entstanden, in der ich eine Menge durchgemacht habe. Einer dieser Songs.

Wo wir gerade von Ex-Freundinnen und Frauen sprechen: Ich habe etwas Lustiges über einen eurer letzten Auftritte in Sydney gelesen. Darin schreibt jemand, dass einige minderjährige Teenies aus dem Publikum dir zugerufen haben, sie doch bitte zu schwängern, damit sie ein Kind von dir bekommen – Wie geht man denn mit so was um? (lacht laut auf) Wie cool, dass du die Minderjährigen-Sache da mit reingepackt hast (lacht) Yeah, dieses Zeug, ich meine diese Dinge sind ziemlich verrückt! Ich weiß gar nicht recht, wie ich damit umgehe muss ich gestehen.

Vielleicht gar nicht? Ja. Ich meine du hörst solche Dinge und denkst dir: ok – alles klar (lacht)

Szenen die ich sonst nur von den Backstreet Boys kenne. Ja, ich weiß. Verrückt was? Aber was kann ich sagen – es ist cool. (lacht)

Und es fühlt sich nicht komisch an? Ah, doch doch, es rangiert in diesem Bereich, aber irgendwie ist das doch lustig! Da merkst du, dass deine Fans dich irgendwie ziemlich mögen müssen. Ich denke, dass ist schon in Ordnung so…

Nun bist du ja der jüngere Bruder deiner Schwester – by the way, wie alt bist du eigentlich? Oh. Ich habe heute Geburtstag. Ich werde 24.

Du hast heute Geburtstag? Na dann alles Gute, Angus. Mein Geburtstag war gestern.

Nein! Wie alt bist du geworden?

24.

Wirklich? 24. Am 26sten? Du verarscht mich… Holy shit, das ist cool!

Wie alt ist Julia? Julia ist vor ein paar Wochen 26 geworden.

Zu meiner Frage vom Anfang: Du bist der jüngere – hat deine ältere Schwester deshalb manchmal das Gefühl, sie müsste dich beschützen wenn ihr auf Tour seid? Zum Beispiel vor anderen Frauen, oder Teenies? Nein nein. Da sind wir zwei ziemlich entspannt, lassen uns sein wie wir sind und geben einander eine Menge Freiraum.

Findest du es manchmal verrückt, dass Leute Geld bezahlen um dich und deine Schwester zu sehen, wie ihr Musik macht? Ja. Aber es ist ein wirklich unbeschreibliches Gefühl, wenn du merkst, dass Leute durch deine Musik etwas spüren, oder Erfahrungen neu durchleben. Ihre Gesichter dabei zu sehen, wie sie es genießen dir zu lauschen und sich danach mit ihnen über ihre Erfahrungen zu unterhalten und sie dir sagen wie sie welcher Song warum beeinflusst hat – all diese Dinge sind einfach unglaublich schön.

Ist das etwas worüber du nachdenkst, wenn du eine Song schreibst? Ich denke nicht. Die Songs die ich schreibe sind so persönlich wie sie nur sein können. Ich glaube sobald du anfängst, darüber nachzudenken, wie dies und das bei anderen Leuten ankommt und was es in ihnen auslösen mag, dann wird die ganze Sache eher unecht.

Bist du vor Konzerten nervös, oder hast du dich an diese Anspannung gewöhnt? Wir haben jetzt sechs Monate nicht gespielt, was es wieder ein wenig interessanter macht – also ja ich werde schon nervös. Dieses gewisse Gefühl im Bauch geht auch nie weg. Aber ich bin auf jeden Fall nervöser, wenn jemand zur Show kommt, den ich beeindrucken und stolz machen will. Wie deine Eltern, oder irgendwelche Lover.

Wie sieht es mit heute abend aus? Kommen auch Lover? (lacht) Ja hoffentlich.

Du wirst also nervös – wie relaxt du vor der Show? Setzt du nach wie vor auf deine zwei Whiskeys? (lacht) Yeah. Das funktioniert immer noch. Aber so viel Whiskey trinke ich nicht mehr – so allmählich wurde ich so nämlich zum Piraten. Stattdessen würde ich lieber öfter vorher zum Laufen gehen und mich stretchen, vielleicht ein wenig Yoga machen.
Wie geht Julia mit ihrer Nervosität um, oder wird sie nicht nervös? Ich weiß gar nicht. So richtig haben wir uns darüber noch nicht unterhalten.

Nein? Worüber redet ihr denn wenn ihr auf Tour seid? (lacht) Wir reden nie miteinander. Ich mach nur Spaß. Julia sieht zumindest nie nervös aus. Keine Ahnung, ob sie nervös wird oder nicht.

Welche Rolle spielt euer neues Album „Down the Way“ für dich, verglichen zu seinem Vorgänger, „A Book like This“? Für mich ist jeder Song den ich heute schreibe, besser, als der, den ich gestern geschrieben habe. Der nächste ist immer besser als der letzte. Ich habe das Gefühl, dass ich die Dinge mit jedem neuen Tag genauer und deutlicher beschreiben kann, und vor allem meine Gefühle exakter benennen kann als zuvor. Ich denke so läuft es auch mit dem neuen Album. Ich glaube dass es meine derzeitige Gefühls- und Gemütslage sehr präzise widerspiegelt.

Welcher Song auf „Down the Way“ ist dein persönlicher Lieblingssong? Einer von Julias Songs. Er heißt „Santa Monica Dream“. Wir haben einige Freunde in Santa Monica, mit denen wir getourt sind und mit denen wir eine außergewöhnlich gute Zeit dort hatten. Im Song geht es darum loszulassen und Abschied zu nehmen von Orten wie diesem und Dingen die uns zeitweilig wichtig sind. Wenn ich den Song höre ertappe ich mich ständig dabei, wie ich in meinem Kopf nicke, weil die Lyrics den Nagel so sehr auf den Kopf treffen.

Gibt es einen deiner Songs auf der Platte, von dem du sagst, das ist mein Favorit? Ja. Ein secret track, der am Ende des Albums versteckt liegt. Er heißt „Old friend“. Ich habe ihn für meinen Vater geschrieben, der vor Kurzem gestorben ist. Darauf zolle ich ihm und seinem Leben Tribut und erzähle „how much of a legend he was“.

Kannst du uns durch den Entstehungsprozess des Songs führen? Ich liebe es mich in die Protagonisten meiner Songs und deren Welt hineinzufühlen. In Old friend versuche ich nachzuempfinden, wie es für meinen Dad gewesen sein muss dies und das zu erleben und aufzuwachsen. Dann versetze ich mich in die Zeit zurück, als er noch lebte und erinnere mich daran wie es war sein Sohn zu sein, ihn um mich zu haben und wie er war.

Wie stressig ist es für Julia und dich auf Tour zu sein und jeden Abend spielen zu müssen? Die Jungs mit den wir touren, unser Drummer Mattie Johnson und Rob Colder am Bass, die Jungs sind wirklich entspannt. Wir sind keine Partyband. Wir haben unsere Party-Abende wenn es was zu feiern gibt, aber es ist nicht wirklich stressig. Ich denke wir können es alle genießen.

Würdest du manchmal trotzdem lieber die Welt als Surfer bereisen, anstatt als Musiker? Ich denke ab einem gewissen Punkt in meinem Leben werde ich genau das tun, reisen und surfen. Aber im Moment ist Musik spielen genau das, was ich machen will.

In Interview legen Julia und du stets Wert darauf als individuelle Künstler wahrgenommen zu werden, von denen jeder seine eigenen Songs schreibt – wie viele Songs kommen auf diese Weise letztlich zustande? Sagen wir in einem Monat? 423 – Quatsch. Ich weiß nicht. Wir schreiben schon eine ganze Menge Songs, gerade weil wir unabhängig voneinander ständig am Schreiben sind. Wir sind jetzt seit drei Wochen unterwegs und in dieser Zeit habe ich bereits drei neue Songs geschrieben, die ich gerne spielen würde. Wir schreiben beide eine ganze Menge also haben wir eher zuviel Material als zu wenig – was auch blöd ist weil wir während einem Konzert nie genug Zeit haben alle Songs zu spielen, die wir gerne spielen würden und auch auf eine CD passen nur soundso viele Tracks. Da muss man ziemlich viel aussortieren.

Wie entscheidet ihr letztendlich, welcher Song es aufs Album schafft? In der Regel versuchen wir auf Alben eine ausgeglichene Anzahl an Songs von Julia und mir unterzubringen. Abgesehen davon sucht jeder aus seinen Songs diejenigen raus, die er gerne auf dem Album hätte. Am Schluss sind wir für gewöhnlich sehr glücklich mit dem was dabei rauskommt.

Was passiert mit den Songs, die es nicht aufs Album schaffen – gehen die für immer verloren? Einige von ihnen ja. Wir versuchen viele der übrigen Songs auf die B-Side von Singles zu packen, sofern wir eine Single rausbringen. Was gar nicht schlecht ist, weil sie dadurch limitiert sind und exklusiv bleiben. Der Rest schlummert auf Festplatten zuhause und wartet bis er dran kommt.

Bei solch einer Fülle an Songs, kann ich mir vorstellen, dass man manchmal mit den Lyrics zum passenden Track durcheinander kommt. Auf jeden Fall. Letzte Nacht erst ist mir das passiert. Es war der zweite Song der Show und ich bin einfach nicht drauf gekommen wie ich ihn spielen muss und welche Strophen dazugehören. Ich hatte einen totalen Aussetzer.

Wie gehst du mit so was auf der Bühne um? Aufhören und einen neuen Song spielen. Drei vier Songs später hat es dann wieder klick gemacht und ich konnte mich erinnern. Aber das passiert schon mal.

Können wir von dir in nächster Zeit ein Solo-Album erwarten? Ich hab sogar schon eins draußen. Es heißt „Lady of the sunshine“ und ein wenig düsterer und rockiger als die Alben, die ich mir Julia aufgenommen habe. Das habe ich während unserer letzten Auszeit bei einem Freund in Coolangatta, direkt neben Snapper aufgenommen. Da habe ich mal alle Songs aus meinem Kopf gelassen, sie performt und aufgenommen.

Direkt neben Snapper – also bist du zwischendrin immer wieder surfen gewesen. Hat das geholfen. Yeah. Ich war sogar ziemlich viel im Wasser, was enorm geholfen hat. Wenn du den ganzen Tag im Studio sitzt und du langsam anfängst den Koller zu kriegen, ist das beste was du machen kannst surfen zu gehen – dann beginnt ein neuer Tag, jeden Tag. Du springst ins Wasser und schwupps bist du ein neuer Mensch.

Eine letzte Frage: In deinem Song Yellow Brick Road sagst du du hättest dein Herz an Kalifornien verloren: Heißt das du wanderst aus und ziehst in die USA? Das ist so eine Sache mit mir. Überall wo ich hinreise, will ich bleiben. Jetzt will ich nach Deutschland auswandern, gestern war es noch Amerika.

Wegen den Frauen? (lacht) Einfach alles. Ich verliebe mich immer wieder in jeden Ort, den ich bereise und in die Leute die dort wohnen – Keine Ahnung wo ich einmal landen werde. Vielleicht überall, zur gleichen Zeit.

Angus, vielen Dank für das Gespräch und noch einmal Happy Birthday.


photos: Original Matters, Henner Thies
Interview: Henner Thies