How to be a Laird
Laird Hamilton begann sein Leben unter Wasser. Dank eines medizinischen Experiments brachte ihn seine Mutter 1964 in einem Salzwassertank zur Welt. Vielleicht sprang er deshalb als Achtjähriger ohne zu zögern von einem 20 Meter hohen Wasserfall in die Tiefe oder surfte 2000 in Tahiti ein Wellenmonster, das so zuvor nur in Comicbüchern existierte. Laird schafft, was andere für unmöglich halten. Wer also könnte dich zum Waterman machen, wenn nicht Laird Hamilton selbst?
Keine Angst vor der Angst
Ich werde immer wieder „furchtlos“ genannt. Für mich ist das gleichbedeutend mit Idiot. Denn nur wer die Gefahr nicht sieht, kennt keine Furcht. Aber Angst ist ein zweischneidiges Schwert, sie kann dich zerstören oder helfen, du musst nur wissen, wie du sie nutzt. 2000 erlebte ich in Teahupoo die gefährlichste Situation meines Lebens. Ich wusste, dass noch kein Mensch so massive Wellen an diesem Spot gesurft hatte, als ich mich in die Bombe des Tages ziehen ließ. Kaum raste ich die Wall entlang und sah die Lippe vor mir wie eine Guillotine niedersausen, wusste ich, dass ich um mein Leben surfe. Es wäre leicht gewesen, die Panik zuzulassen und einfach vom Board zu springen, aber dann wäre ich heute vielleicht nicht mehr hier. Nein, ich habe mir die Angst zu Nutzen gemacht, denn Furcht bewirkt im Körper mehr als die stärkste Droge. Man denkt schneller, reagiert exakter und ich sage sogar: man ist stärker. Also lernt, die Angst zu nutzen. Geht mit Haien tauchen, wenn die euer größter Alptraum sind oder steigt auf Berge, wenn ihr unter Höhenangst leidet. Aber bleibt auf keinen Fall zu Hause, nur aus Angst, Angst zu haben.
Wecke das Tier in dir
95 Prozent aller Menschen, die schon einmal knapp dem Tod entronnen sind, sagen dasselbe: kurz bevor es passiert, hatte ich ein komisches Gefühl, dass etwas nicht stimmt. In jedem von uns schlummert dieser Urinstinkt, der sich meldet, wenn Unheil droht. Aber in unserer behüteten Welt verlernen wir, dieses angeborene Warnsignal zu verstehen, wenn wir täglich acht Stunden am Schreibtisch sitzen, anstatt Bisons zu jagen wie unsere Vorfahren. Aber Instinkte lassen sich trainieren wie ein Muskel. Versuche im Alltag auf schwache Gerüche zu achten oder im Dunklen Umrisse zu erkennen. Je mehr du deine Sinne schärfst, desto lauter wird die Alarmglocke in deinem Kopf ertönen, wenn dein sechster Sinn sich meldet.
Mut zur Lächerlichkeit
Die meisten Menschen schrecken zurück, wenn es darum geht, etwas Neues auszuprobieren. Sie haben Angst zu versagen oder ausgelacht zu werden. Ich verstehe nicht, warum wir immer denken perfekt sein zu müssen, sobald wir erwachsen sind. Als Kinder landen wir doch andauernd auf dem Hintern und lachen darüber. Höre nicht auf zu lernen, denn so zwingst du deinen Geist, sich neuen Herauforderungen anzupassen – so bleibst du auch im Kopf jung und agil.
Mit fünf Schritten ans Ziel
Niemand wacht eines Morgens als Weltmeister auf. Wer ein Ziel hat, muss sich bewusst sein, dass er einen langen Weg vor sich hat. Michelangelo sagte, dass er die Skulptur in einem Felsbrocken schon sehen kann, bevor er sie herausmeißelt. Mach es genauso und stelle dir vor, wie sich dein Traum erfüllt. Ich surfe neue Spots immer zuerst im Kopf, bevor ich wirklich ins Wasser gehe. Aber unterschätze dich nicht und wähle ein zu leichtes Ziel. Ich glaube, dass nur sehr wenige Menschen wirklich ihr volles Potential ausschöpfen. Wer sich nicht zutraut etwas zu schaffen, der schafft es auch nicht. Aber begehe nicht den Fehler und verfolge deine Pläne zu verkrampft. Im Leben ist der kürzeste Weg von A nach B eben oft keine gerade Linie. Improvisiere und mache auch mal einen Schritt zurück, wenn du nicht weiter kommst. Vielleicht triffst du auch auf große Hindernisse. Für mich waren Verletzungen immer am schlimmsten, sie sind frustrierend, unangenehm und schmerzhaft, aber heilen keinen Tag früher, nur weil du sie verdammst. Akzeptiere die Situation und – glaube mir oder nicht – im selben Augenblick ist alles nur noch halb so schlimm. Ganz am Schluss, am Ziel deiner Träume, wartet dann die schwierigste aller Aufgaben. Dann hast du plötzlich kein Ziel mehr, nichts, worauf du hinarbeitest. Ich nenne diesen Gefühlszustand mein „Post Big Wave-Syndrom“ und fühlte mich früher, als ob ich von einer schweren Depression getroffen wurde. Das ist der Kater des Adrenalinrauschs, der auch dich treffen wird. Sei also vorbereitet und jammere nicht am Tag des Erfolgs.
Trainiere, aber richtig
Ich habe keinen festen Trainingsplan, das ist der schnellste Weg zu Burnout und tödlicher Langweile. Mein Sportprogramm verändert sich ständig, am besten jeden Tag. Manche Jogger sehen beim Laufen so aus, als ob sie Schmerzen hätten – vielleicht sollten sie einen anderen Sport ausprobieren. Hört auf euren Körper, er sagt euch schon, worauf er Lust hat. Fitnesstraining darf keine lästige Pflicht sein, sondern muss Spaß machen. Das vergessen viele.
Noch ein paar Tipps für den Anfang
Lauft barfuss. Beim Surfen braucht ihr jeden einzelnen Muskel und jede Sehne, die eure Füße zu bieten haben. Aber wie sollen die plötzlich der Belastung standhalten, wenn sonst ein Stützkorsett – eure Schuhe – die ganze Arbeit übernimmt.
Viele denken, beim Surfen geht es um Technik. Falsch! Es geht darum, sich im Ozean wohl zu fühlen. Wer beim Waschgang im Weißwasser in Panik gerät, wird sich auf seinem Board nie wohl fühlen. Geht schwimmen, tauchen oder bodysurfen und lernt den Ozean kennen, bis ihr euch in ihm wie zu Hause fühlt.
Trinkt keine Limonade. Die enthält weder Vitamine, noch Mineralien, einfach nichts Verwertbares. Sie macht nur dick.
Richtig zu stürzen ist eine Kunst und es dauert lange, bis man zum Meister wird. Zwei Tipps, bis es soweit ist: Bleibt entspannt, gegen die Wellen anzukämpfen vergeudet nur Sauerstoff. Und springt nie Kopf voraus vom Board, außer ihr wisst genau, wie tief das Wasser ist.
Jeder bekommt, was er verdient. Suchst du Ärger, wirst du ihn bekommen. Willst du einfach eine gute Zeit haben, klappt auch das. Es kommt nur auf deine Einstellung an.


