Von Ecuador nach Kalifornien, vom Line-Up in den Hörsaal, von der Garage ins Atelier, vom T-Shirt zur Leinwand. Bis zur Offenbarung. Auf seinem Weg zum international anerkannten Künstler hat Wolfgang Bloch so manche Verwandlung vollzogen. Geändert hat er sich nie. Nur seine Kunst, die tut es heute noch. TIDE präsentiert einige seiner Werke und erzählt die Geschichte eines begabten Träumers.
von Henner Thies
Wolfgang Bloch verliebt sich gerne in Details. Das hat er als kleiner Junge in Ecuador getan, als sich der dunstige Geruch der Tropen und die kontrastreiche Landschaft während der stundenlangen Fahrten von Guayaquil nach Quito in sein Gehirn einbrannten. Und er tat es als Teenager bei früh morgendlichen Surf-Sessions mit seinem Freund Fernando in menschenleeren Wellen in Engabao. Stets hat „Fidi“ wie seine Freunde Bloch nennen, den kleinen, zunächst unscheinbaren Dingen seine größte Aufmerksamkeit gewidmet: dem Geruch salzig-tropischer Wellen, dem monotonen, einschläfernden Geräusch des alten Volkswagen Variant seines Vaters, der Textur und Haptik von Fellen, Textilien, Holz. Über die Jahre hat Wolfgang Bloch seine Obsession für das unscheinbare und doch allgegenwärtige Detail kultiviert. Aus dem kleinen Träumer ist ein großer Künstler geworden. Dabei wollte Bloch in eine ganz andere Richtung – zumindest glaubte er das.
Im September 1982 entschließt sich Wolfgang Bloch seine Liebe zum Ozean zu verwissenschaftlichen. Am Flughafen von Quito löst der leidenschaftliche Wellenreiter sein Ticket in die USA. Er will sich an der University of Florida für Marine Biologie einschreiben. Zum ersten Mal verlässt er seine südamerikanische Heimat. Schon nach wenigen Semestern ändert er sein Studienfach. Von nun an studiert Bloch Fotografie und Kunst. Dem Bachelor of Fine Arts in Florida, folgt 1990 sein erfolgreicher Abschluss am Art Center College in Pasadena. Im „Art Boot Camp“ wie Bloch die Kunsthochschule in Kalifornien heute bezeichnet, lernt er seine geliebten Details und Momente gekonnt in Bildern zu bannen. Dann geht es schnell: Er bekommt seinen ersten Job als Designer von niemand geringerem als der südafrikanischen Surferlegende Michael Thompson. Bei dessen Kult-Firma Gotcha macht Bloch sich schon bald einen Namen. Vier Jahre später entdeckt Bloch seine Liebe für das Arbeiten mit Holz. Ein Jahr lang arbeitet er für einen Tischlermeister, dann hat ihn die Surfindustrie wieder. Blochs legendäre organische T-Shirt-Designs für Firmen von Billabong bis Quiksilver machen ihn in der Surfgemeinde endgültig berühmt.
„I WAS SO USED TO SEEING THE FLAWLESS, WELL-LITT WAVES, TYPICALLY DEPICTED IN SURF ART THAT WHEN I FIRST SAW WOLFGANG’S STARK, SUNLESS SEASCAPES I FOUND MYSELF WONDERING – WOULD I SURF THAT?“ – Jeff Canham (ehem. Artdirektor des Surfer)
Nach dem Tod seines Vaters im Oktober 1999 besinnt Bloch sich seiner wahren Träume. Er kehrt der Surf-Industrie den Rücken und malt fortan anstatt Firmenlogos auf T-Shirts, einsame Wellenlandschaften auf Leinwände. Es sind perfekte, klischeehafte Set-Ups, die Bloch damals malt, „pretty pictures“ wie er sie nennt. Bloch glaubt das sei was die Leute wollten: Weiße Sandstrände, Palmen und makellose Wellen im Hintergrund. In einem Anfall stiller Rebellion gegen das Klischee des Perfekten reduziert Bloch Ende 2002 eines seiner „pretty pictures“ auf zwei Ebenen – einen düsteren Horizont und einen hellen Vordergrund, an deren Schnittstelle einsam eine Welle entlangläuft. Dies ist die Geburtsstunde des weltweit anerkannten Künstlers Wolfgang Bloch.
Als Jeff Canham, damaliger Artdirektor des amerikanischen Surfer Magazins, im März 2003 während einer Ausstellung in der Surf Art Gallery in Laguna Beach erstmal Blochs Arbeiten sieht, ist er begeistert: „So etwas hatte ich noch nie gesehen! Der Surfer in mir war perplex, der Künstler in mir überrascht und der Artdirektor in mir war einfach nur stoked! Da war es, ein neuer Weg etwas Altes zu interpretieren.“ In der darauffolgenden Ausgabe des Surfer Magazins bilden Wolfgangs Arbeiten das Herzstück der Titelstory „State of the Art“. Es folgten weitere hoch gelobte Veröffentlichungen in Surfzeitschriften wie in Kunstheften. Beim legendären Moonshine Festival in Laguna Beach kauft Jack Johnson gleich drei von Blochs Arbeiten. Als Bloch 2005 zusammen mit 24 weiteren Künstlern gebeten wird, für die „Art for the Oceans“ Ausstellung der Surfrider Foundation eines seiner Bilder auf ein Channel Island Surfbrett zu malen, improvisiert er. Am Ende hat er das Brett mehrmals auseinandergesägt, um es anschließend zu einem neuen Gemälde wieder zusammenzufügen, das eindeutig Blochs Handschrift trägt – zwei kontraststarken Ebenen und eine einsame Welle am Horizont. Diesen bildet nunmehr der Stringer des Brettes.
„AT IT’S CRUX, WOLFGANG’S WORK IS AN EGOLESS HOMAGE TO THE LARGELY UNNOTICED NETWORK OF INTERWINED MOMENTS THAT MAKE UP LIFE.“ – Mike Stice (Autor des Buches „The Colors of Coincidence“)
Wolfgang Blochs Arbeiten sind einzigartig in ihrer Wirkung auf den Betrachter. Seit Bloch in seinen Kunstwerken auch weggeworfenes Holz und Metall verwendet hat seine Kunst noch an Bedeutung gewonnen, wie der Autor zu Blochs 2008 erschienenem Buch „The Colors of Coincidence“ bemerkt: „Wolfgang hat den Anspruch, sich stets der Tatsache bewusst zu sein, dass wir alle Teil eines viel größeren, tiefgreifenderen Ganzen sind. Er will uns ins Gedächtnis rufen, dass es meist die wunderbarsten Menschen, Orte und Dinge sind, die wir in unserem gestressten Alltag unbemerkt aber ständig übersehen und zunehmend für unwichtig halten.“ Wolfgang Bloch selbst sind solche Details nie verborgen geblieben. Nicht als Kind, nicht als Jugendlicher und schon gar nicht als Erwachsener. Ein Glück, dass er uns durch seine Kunst an seiner Sicht der Dinge teilhaben lässt.
Geboren 1963 in Guayquil, im Süden Ecuadors hat Wolfgang Bloch einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Seit seinem Abschluss vom renommierten Art Center College in Pasadena hat Bloch die Surf-inspirierte Kunst mitgestaltet wie nur wenige vor ihm. Heute sind Blochs Kunstwerke nicht nur in seiner Wahlheimat Kalifornien berühmt. Seine Arbeiten finden längst weltweiten Anklang. Vor Kurzem ist Bloch mit seiner Frau Jennifer und ihren zwei Kindern von Laguna Beach nach Costa Mesa umgezogen. Leider fand man kurz vor Redaktionsschluss Asbest in den Wänden seines neuen Ateliers. Gut möglich also, dass man auf die nächsten Kunstwerke Blochs etwas länger warten muss. Mehr Infos zu Bloch, seiner Kunst und seinem Buch findet ihr unter www.wolfgangbloch.com.







