Schon während des Billabong Pro Tahiti erzählte JJ von dem geplanten zweiten TransparentSea-Trip, den David Rastovich, Hilton Dawe, er und einige mehr Ende 2011 starten würden. Anders als bei ihrem ersten TransparentSea-Trip 2009 vor Australien wollte die Surfercrew um David Rastovich und dessen Umweltorganisation Surfers for Cetaceans (S4C) diesmal an der Westküste der USA entlang segeln, um für die Rechte und die Unversehrtheit von Walen und Delphinen weltweit zu demonstrieren. Keinen Monat später sollte es soweit sein: Die Boote waren organisiert die Route von Santa Barbara bis San Diego stand. Am Tag bevor JJ und die S4C-Crew in See stechen würde, hatten wir die Möglichkeit mit ihm und Rasta zu sprechen.
TIDE: JJ, so trifft man sich wieder. Wie geht’s dir? JJ: Gut, danke.
Wie war eure Kick-Off Party gestern Abend in Santa Barbara? Oh, die war super. Ein großer Erfolg. Um die 200 Leute waren da. Die Band hat gespielt, wir haben mit einigen der Locals gesprochen, es war ein sehr gelungener Abend.
Ich hatte keine Ahnung, dass du derart in die TransparentSea-Aktionen eingebunden bist. Du warst ja auch beim ersten Trip 2009 dabei. Ja, das stimmt. Das fing alles mit unserer ersten Tour in Australien an. Zwei Jahre später sind wir nun hier in Kalifornien.
Auf meinem Rückflug von Tahiti nach LA habe ich den Film über euren Australien-Trip gesehen. Das sah ziemlich abenteuerlich aus. Inwieweit wird sich eure Kalifornien-Tour von der in Australien unterscheiden? Der erste große Unterschied ist, dass an diesem Trip eine Menge Leute mehr beteiligt sind, als bei unserem ersten.
Wer sind die Leute, die diesmal dabei sind? Wir haben die Band of Frequencies am Start, die uns den gesamten Trip über begleiten wird, was dem Ganzen ein ziemlich cooles Element hinzufügt – auch Rasta und Will spielen ab und an mit der Band. Dann sind hier noch Chris Del Moro, Hilton Dawe, unser Fotograf und viele mehr. Um auf deine Frage zurück zu kommen: der größte Unterschied zu unserem ersten Trip ist, dass wir damals in Australien eine unglaubliche Distanz mit unseren Segelbooten hinter uns gebracht haben. Dieses Mal in Kalifornien werden wir nicht annähernd soweit segeln.
Gibt es weitere Unterschiede? Oh ja. Damals lag unser Hauptaugenmerk darauf, die Misere der Buckelwale darzustellen. Während unserer Segeltour sind uns diese riesigen Geschöpfe mehrmals begegnet und haben uns viele Kilometer begleitet. Dieses Mal geht es weniger um Abenteuer. Auch weil wir in Kalifornien in einer derart dicht bevölkerten Gegend unterwegs sind. Es wäre Quatsch auf diese veränderten Bedingungen nicht zu reagieren. Deshalb versuchen wir diesmal in jeder der vier Gemeinden, die wir auf unserem Weg in Richtung Süden passieren so viele Leute wie möglich zu erreichen. In Santa Barbara, Ventura County beginnen wir unsere Tour, dann geht’s weiter nach LA County, anschließend vorbei an Orange County und zum Abschluss San Diego County.
„2009 in Australien lag unser Hauptaugenmerk darauf, die Misere der Buckelwale darzustellen und ein Abenteuer zu erleben. In Kalifornien werden wir versuchen mit unserer Aktion so viele Leute wie möglich zu erreichen.“

Chris Del Moro gleicht seine Haltungsschäden nach einigen Tagen im Segelboot und auf hoher See auf althergebrachte Weise wieder aus.
Wie würdest du also euer Ziel definieren? Ganz klar die lokalen Gemeinden dieser vier Counties so stark mit einzubinden wie möglich und sie mit ins „Boot“ zu holen. Immerhin beherbergt Kalifornien eine der größten Surfgemeinden der Welt. Auch deshalb haben wir uns für den Golden State entschieden. So viele Umweltgruppen, wie hier, die sich für die Meere und ihre Küsten einsetzen, gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.
Kannst du einige dieser Gruppen nennen? Klar. Das „Environmental Defence Center“ in Santa Barbara ist die erste Gruppe, die wir im Rahmen unserer Tour highlighten wollen. Nächstes Wochenende stellen wir das Projekt „Save Malibu Lagoon“ vor, an dem eine Vielzahl lokaler Gruppen beteiligt sind, unter anderem eine Gruppe reicher Landbesitzer und einige Surfer, die Angst haben, dass ihr Spot verändert werden könnte. Und die dritte Gruppe, die wir auf dem Plan haben ist unten bei Dana Point, wo eine wirklich einzigartiges Informationszentrum zum Thema Umweltschutz und Meeresbewohner steht. Es wird vor allem von Schulklassen genutzt. Die Kinder werden unter anderem für die Natur und ihren Schutz sensibilisiert. Außerdem arbeiten dort ein Haufen sehr angesehene Wissenschaftler.
Um auf die Gruppe an Leuten zu sprechen zu kommen, die diesen TransparentSea-Trip ins Leben gerufen hat. Wie habt ihr euch gefunden? Im Prinzip haben wir versucht mit derselben Gruppe von damals zu arbeiten. Ich denke ich spreche für alle, wenn ich sage, dass wir eine super dynamische und motivierte Gruppe sind, in der alle miteinander befreundet sind: Hilton, der auch unseren letzten Trip fotografisch dokumentiert hat. Rasta und Howie Cook, die zusammen Surfers for Cetaceans (S4C) ins Leben gerufen haben und die auch die Idee zu diesem Projekt hatten – also Umweltaktivismus mit Surfen und Kunst und Musik zu verbinden. Will Conner, ist damals als einer der letzten zu uns gestoßen und Chris Del Moro, der auch bei S4C engagiert ist, und zu Daves liebsten Reisepartnern zählt.
„Als Surfer hatte Rasta einige einschneidende Erlebnisse, die ihn auf seinen derzeitigen Weg gebracht haben.“
Und du bist der Mann fürs Grobe, also die Medien? (lacht) Genau. Ich hatte damals gerade meinen Job bei Quiksilver gekündigt, als Billabong mich fragte, ob ich die Pressearbeit für den TransparentSea-Trip übernehmen wollte. Das war im Oktober 2009.
Kann man sagen, dass Rasta der geistige Vater des Projekts ist? Ich denke das kann man sagen, ja. Natürlich hat er das nicht alleine auf die Beine gestellt, aber er ist schon eine treibende Kraft. Der Film, den wir bei jedem unserer Stopps erstaufführen, „Minds in the Water“ erzählt Rastas persönliche Reise. Als Surfer hatte er einige einschneidende Erlebnisse, die ihn auf seinen derzeitigen Weg gebracht haben. Nummer eins: Er hat gemerkt, dass er in der Position ist etwas zu bewegen, wenn er sich darum bemüht. Nummer zwei: Der Einfluss, den Howie Cooke auf Rasta hatte, mit dem er zusammen S4C gegründet hat. Und Nummer drei: Der Moment indem ein Delfin direkt neben Rasta einen Hai gerammt und ihn so wahrscheinlich vertrieben hat – aber dazu musst du Rasta selber befragen.
Wie siehst du persönlich Rastas Entwicklung? Rasta hat ziemlich bald gespürt, dass das Contest-Surfen nicht das richtige für ihn ist. Kurze Zeit später ist er zu seinem Sponsor Billabong gegangen und hat gesagt, dass er gerne diese neue Richtung einschlagen würde, wo er sich für die Ozeane und deren Bewohner stark machen möchte. Billabong hat ihm das damals problemlos ermöglicht, was nicht nur Rasta, sondern heute sicher auch Billabong freut (lacht). Mittlerweile hat Rasta durchaus einige Erfolge auf dem Gebiet des Umweltschutzes zu verbuchen: Die visuelle Petition im Internet, das „The Cove“ Projekt in Japan, jetzt die zwei TransparentSea-Trips. Hinzu kommt seine Organic-Clothing Linie, die er zusammen mit Billabong rausbringt und bei der sie unter anderem alte Plastikflaschen zu Klamotten machen.
„Auch ich war anfangs skeptisch. Seit dem ersten TransparentSea Trip, bei dem wir sechs Wochen zusammengelebt haben, kann ich ohne Zweifel sagen: Rasta lebt jeden einzelnen Satz, den er sagt.“

Eigentlich wollte JJ sich 2009 nur den ausgedehnten Surf/Segeltrip nicht entgehen lassen. Am Ende veränderte der erste TransparentSea Trip JJs Sicht der Dinge. Tubus scort der Australier heute wie damals.
Bist du auch schon Leuten begegnet, die gesagt haben: „Alles schön und gut, aber geht’s auch ein bisschen weniger esoterisch?“ Gibt es diese Leute, die der Meinung sind, das Ganze ist etwas übers Ziel hinaus geschossen? Diese Leute gibt es definitiv. Und um ehrlich zu sein: Auch ich war anfangs skeptisch. Als ich noch als Editor des australischen Surfing Life Magazins gearbeitet habe, habe ich viel mit Profi-Surfern allen Alters zu tun gehabt, von denen viele nicht wussten, was sie damit anfangen sollen. Ich habe damals unweit von Rastas Haus gewohnt und kannte ihn, aber bis ich mit ihm persönlich lange Zeit gereist bin, war ich skeptisch. Seit dem ersten TransparentSea Trip, bei dem wir sechs Wochen zusammengelebt haben, kann ich ohne Zweifel sagen: Rasta lebt jeden einzelnen Satz, den er sagt.
Was hat dich dazu getrieben trotz deiner Skepsis mit auf den ersten TransparentSea Trip zu gehen? Die Wahrheit ist: Sechs Wochen die Ostküste Australiens entlang zu segeln hörte sich für mich nach einem Astreinen Surftrip an (lacht). Mit ein bisschen Arbeit zwischen den Sessions. Nach den ersten Hochsee-Begegnungen mit Delphinen und Walen, die immer häufiger wurden, hatte ich alles andere im Kopf als Surfen. Das hat mich wirklich umgehauen. Sehr überwältigend. Danach fühlte es sich einfach komisch an zu wissen, dass diese Geschöpfe, trotz unseres Wissens, gejagt und getötet werden.
Also hat der TransparentSea-Trip dich zu einem „Believer“ gemacht? Er hat mir definitiv dabei geholfen, meine Prioritäten neu zu setzen. So einen Trip vergisst du nicht, der geht nicht spurlos an dir vorüber. Mit Gewissheit, der beste Surftrip, den ich je gemacht habe.
Wie schwierig ist es einen solchen Abenteuer-Trip zu planen? Ich denke was den ersten Trip angeht, ging es zu aller erst um die Sicherheit. Auch die nötigen Sponsoren zu finden war alles andere als einfach. Nicht einmal Hobie, die schließlich Trimarans zur Verfügung gestellt haben, wollten anfangs mitmachen. Das war dieses Mal alles einfacher. Schließlich wussten die meisten bereits was sie erwarten würde.
Wie habt ihr die Aufgaben unter euch verteilt? Chris Del Moro hat viele Jahre in Kalifornien gelebt und gesurft, deshalb war er eine sehr große Hilfe, was das Organisatorische und die nötigen Kontakte anbelangt. Er war es, der unsere Route geplant hat, wo wir anlanden, wo wir unsere Events abhalten. Ansonsten hat jeder das getan, was er am besten kann…
„Nach dem TransparentSea Trip 2009 fühlte es sich einfach komisch an zu wissen, dass diese Geschöpfe, trotz unseres Wissens, gejagt und getötet werden.“
Segeln zum Beispiel. Mittlerweile könnt ihr das sicher alle, aber vor eurem ersten Trip? Habt ihr damals extra gelernt wie man segelt, oder konntet ihr das alle schon vorher? Die meisten haben sich einfach drauf eingelassen und es ausprobiert. Man muss dazu sagen: die kleinen Boote, auf denen wir damals wie heute unterwegs waren, sind alles andere als schwierig zu handeln.
Dennoch hört es sich nach einer ziemlichen Schnapsidee an, mal eben auf ein kleines Segelboot zu hüpfen, um damit Sechshundert Kilometer zurückzulegen… (lacht) Das stimmt. Am längsten Tag haben wir satte 110 Kilometer hinter uns gebracht. Das war schon verrückt. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das wir mit diesen kleinen Booten so weit und schnell reisen konnten, hat nicht nur uns überrascht. Diesmal ist es alles etwas entspannter. Die See ist vor Kalifornien nicht ganz so unruhig – vor allem die Kelpfelder halten das Wasser schön glatt. Dazu ist die Strecke, die wir hinter uns bringen wollen diesmal nicht so weit.
Dieser zweite Trip ist also weniger ein Abenteuer- als vielmehr ein Aufmerksamkeitstrip? So in etwa, ja. So viele Menschen wie hier leben, da macht das Sinn.
Zwischen all diesen Terminen, wo und wann habt ihr eure Surfsessions eingeplant? (lacht) So oft es geht! Wir werden jede Chance wahrnehmen. Zumal der Trip Spaß machen soll. Wir wollen nicht zu verbissen sein, bei dem was wir tun. Wir sind alle Surfer, also soll es am Surfen nicht mangeln. Daneben setzen wir uns für unsere Wahlheimat ein, die wir beschützen müssen, um sie auch in Zukunft genießen zu können.
Vielen Dank JJ, für dieses Gespräch.
Interview: Henner Thies | Fotos: Hilton Dawe






