Beim Quik Pro in Hossegor hat Gabriel Medina vollbracht, was zuvor niemand für möglich gehalten hatte. Nicht nur, dass der 17-Jährige Brasilianer im Halbfinale den amtierenden und 10-maligen Weltmeister Kelly Slater besiegt hat. Auch das darauffolgende Finale gegen Julian Wilson hat der junge Goofy-Footer für sich entschieden. In seinem zweiten WCT-Auftritt überhaupt hat er so direkt seinen ersten Tour-Sieg eingefahren – und das noch vor der Volljährigkeit! Mittlerweile hat der brasilianische Wunderknabe sogar seinen zweiten Tour-Sieg gefeiert: Beim Rip Curl Pro Search in San Fransisco besiegte Medina auf dem Weg ins Finale neben Kelly Slater, Taylor Knox, bevor er Joel Parkinson die Trophäe vor der Nase wegschnappte. Wenige Wochen zuvor, im portugiesischen Peniche, haben wir den jungen Aerial-Spezialisten getroffen – und dank der Hilfe einer Übersetzerin sogar verstanden. Ein Glück, denn dieser junge Mann ist schon jetzt ein ganz Großer.

TIDE: Gabriel, wie hat es sich angefühlt dein Idol, Kelly Slater, in Hossegor zu besiegen? Gabriel Medina: Das war unglaublich. Ein wahrer Traum, der wahr geworden ist. An diesem Tag ist für mich alles zusammengekommen. Ich habe mich gut gefühlt, war hochkonzentriert und habe gute Entscheidungen getroffen. Ich werde diesen Tag lange in Erinnerung behalten.

Hat dir Kelly irgendeine Botschaft mit auf den Weg gegeben, nachdem du ihn aus dem Event geworfen hast? (überlegt kurz) Ja. Er hat mir die Hand gereicht und gesagt: „Good Job.“ Das war alles. Dann ist er gegangen (lacht).

Der Champ war also durchaus etwas angefressen. Ein bisschen vielleicht. Aber es ist Surfen, es ist Wettkampf und mal hast du einen guten, mal einen schlechten Tag. Wenn ich dann einen guten und Kelly einen schlechten Tag hat, springt da auch mal ein Sieg bei raus.

Es gab eine Situation gegen Ende deines Heats mit Taylor Knox, als er dir knallhart reingedroppt ist – nach dem Motto: „Ein bisschen Respekt, kleiner Mann!“ Keine Ahnung. Als Taylor Knox das mir reingedroppt ist, hatte ich bereits eine hohe neun und eine zehn gescort. Ich denke mal, dass Taylor Knox sich gedacht hat: „jetzt ist es auch schon egal.“ Also hat er sich noch eine schöne Welle geschnappt und ist sie an den Strand gesurft. Da war es ihm egal, ob ich drauf war, oder nicht. Es hat auch wirklich nichts mehr zur Sache getan (lacht).

Du bist 17 Jahre alt und sitzt plötzlich nicht nur mit deinen Idolen im Rahmen der WCT im Line-Up, sondern besiegst deine Idole sogar, sitzt mit ihnen bei Pressekonferenzen – als hättest du nie etwas anderes gemacht. Du wirkst nicht mal sonderlich nervös? Das sieht nur so aus – nervös war ich auf jeden Fall. Gerade bei der PK. Das war meine erste PK überhaupt. Aber es ist gut diese Dinge schon so früh zu lernen.

Nun hast du deinen ersten WCT-Event gewonnen. Zusammen mit deinen drei WQS-Siegen macht das vier Contestsiege – und das Jahr ist noch nicht vorbei! Ist das einfach dein Jahr? Es läuft ziemlich gut, das stimmt. Zumal zu den zwei 6-Sterne- und dem einen Prime-Event-Sieg auch noch ein Finale im Prime-Event in Ericeira hinzukommt, das ich gegen Julian Wilson verloren habe. Ich wollte mich dieses Jahr, komme was wolle, für die Dream Tour qualifizieren. Dafür habe ich hart gearbeitet. Das es jetzt so gut läuft ist natürlich ein Traum.

Nun kommst du für viele Surffans – zumal in Deutschland – aus dem nichts. Was sind die wichtigsten Dinge, die man über dich und deine junge Karriere wissen sollte? Ich habe mit acht Jahren angefangen zu surfen, in Marseiche, nahe Sao Paulo in Brasilien. Mein Dad ist Schuld daran, dass ich heute hier stehe. Er hat mir mein erstes Brett besorgt und mich motiviert mit dem Surfen anzufangen. Meinen ersten Contest habe ich mit 12 bestritten. Danach ging alles sehr schnell.

Dein erstes Manöver, das du gelernt hast – war das ein Cutback oder ein Air? Wenn man dich sieht ist man geneigt zu denken, dass du zuerst gelernt hast, wie man Airs springt? (lacht) Bevor ich begonnen habe, Airs zu springen, habe ich schon erstmal gelernt, wie man richtige Turns fährt. Meinen ersten Air überhaupt habe ich glaube ich mit elf, oder zwölf gestanden. Als ich fünfzehn war, habe ich diese Dinge erstmals auch in Contests gemacht. Unter anderem in meinem ersten WQS-Contest, den ich gewonnen habe, in Fernando de Noronha, war das.

Na dann mal weiter so und danke für das Gespräch.

Interview: Henner Thies | Fotos: Rip Curl