Dürfen wir vorstellen: Tom Curren – Bono, Bono – Tom Curren. Sicher der Beginn einer Freundschaft, oder?

Tom Curren über den Trip seines Lebens: Unter der Headline „Das Phänomen von Seven Ghosts“ berichtete TIDE Anfang April an dieser Stelle von der glorreichen Entdeckung des Bonos, jener Gezeitenwelle im indonesischen Fluss Kampar, die nicht nur leidenschaftliche Flusswellen-Surfer zum Staunen brachte und bringt.

Bilder von Schoko-Slabs waren zu sehen, überraschte Mienen und gestokete Surfer die ihr Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein, nicht fassen konnten. Unter der Anleitung des französischen Wellenentdeckers Antony Colas waren Bruno Santos, Dean Brady, Tyler Larronde, Oney Anwar und der Altmeister aller Suchenden Tom Curren, Wellen gesurft, an die man erst glaubt, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat. In den Teasern, die Rip Curl der Welt im Internet zur Verfügung stellte sah man sie im direkten Größenvergleich mit surfenden Menschen – makellose, doppelt-über-kopf-hohe Gezeiten-Wellen.

Ein seltenes Bild: Tom Curren völlig enthemmt – das schaffen die wenigsten aus dem Altmeister herauszukitzeln. Well done Bono!

Es stellte sich so manche Frage. Zum Beispiel diese: Wer war wie und wann als erster auf dieses Phänomen gestoßen? Nach einiger Recherche stellte sich heraus, dass Antony Colas der erste am Kampar gewesen war und er nach einiger Überlegung Rip Curl angeboten hatte, die Welle einem ausgewählten Surfteam zu zeigen (zu lesen im Hintergrund-Interview mit Antony Colas in der aktuellen TIDE #26). Heraus kamen jene Videos, die so manchem Flusswellenkritiker die Sprache verschlugen und uns von Jetzt auf Gleich das unglaubliche Potenzial dieser Wellenart vor Augen führten.

Wie Tom Curren den Surftrip ins Herz des indonesischen Dschungels empfunden hat, was er über den Bono denkt und ob er jemals wieder kommen würde (was man seit der Gründung des Bono Surfcamps kann), lest ihr im Folgenden.

Das Equipment mit dem Antony Colas und seine Kollegen die Surfer heute im Fluss vor den einzelnen Sektionen positionieren ist mittlerweile top. Für den Seven Ghosts Trip mussten das provisorisch geflickte Zodiac und einige altersschwache JetSkis herhalten.

TIDE: Als Rip Curl dich fragte, ob du an diesem Trip teilnehmen würdest, wusstest du, worauf du dich einlässt?

TC: Ich hatte nicht die leiseste Ahnung. Am Anfang war ich sogar ziemlich skeptisch, ob dieser Trip überhaupt irgendeinen Mehrwert haben könnte. Für eine einzige Welle schien mir die Reise doch ziemlich lang.

Bist du vor diesem Trip schon einmal eine Gezeitenwelle auf einem riesigen Fluss, wie dem „Seven Ghosts“ gesurft?

Nein. Es war für mich das erste Mal. Eine derartige Welle hatte ich zuvor nur in Videos aus England gesehen, und die sah schon interessant aus – allerdings bei weitem nicht so interessant, wie die, die wir in Indonesien gefunden haben.

Wie haben sich diese Flusswelle angefühlt und inwiefern unterscheiden sie sich von normalen Meereswellen?

Ehrlich gesagt fühlen sich diese Wellen sehr ähnlich an. Man hatte mir vorher zwar gesagt, ich solle mich auf Wellen einstellen, die sich völlig andersartig anfühlen, nicht zuletzt wegen des Süßwassers. Aber da der Bono eine ganze Menge Kraft besitzt, haben sich diese Wellen in der Tat angefühlt wie echte Meereswellen.

Welche Gefahren lauern beim Surfen dieser Flusswellen inmitten des indonesischen Dschungels?

Oh, so einige. Die Krokodile zum Beispiel. Zum anderen waren wir eine recht große Gruppe an Surfern. Das machte es schwierig zu jeder Zeit jeden Einzelnen im Auge zu behalten. Es schien, als wären mit der Ankunft der Flusswellen jegliche Pläne – welche auch immer im Vorhinein gemacht worden waren – mit einem Mal über den Haufen geworfen worden. Als die Wellen kamen ging alles ganz schnell.

Für welche Ausrüstung hattet ihr euch entschieden? War es letztlich die richtige Wahl?

Ich bin ein ganz normales Brett gefahren, eines, das für gute Wellen gemacht wurde – und es lief bestens in diesen Wellen. Für den Fall der Fälle hatte ich einen etwas dickeren Fish-Shape mit mehr Auftrieb mitgenommen, den ich aber nie benutzt habe, so gut sahen die Wellen aus.

Kilometerweit läuft der Bono in den bis zu 1,5 Kilometer breiten Kampar flusseinwärts. Viele der zahllosen Sektionen warten bis heute darauf gesurft zu werden.

Ausgehend von dieser ersten Begegnung mit dem Bono, was würdest du beim nächsten Mal anders machen?

Es gab bei all den Wellen eine Sektion, die mit Abstand die beste zu sein schien: Eine lange, tief hohle Linke, die wie ich finde schlichtweg perfekt war. Aber aus irgendeinem Grund war die perfekteste Sektion die am schwierigsten zu surfende. Am Ende habe ich, ebenso wie alle anderen mitgereisten Surfer diese Sektion nicht gezähmt bekommen. Bei meinem nächsten Besuch würde ich diese eine Sektion gerne noch mal surfen.

Was kannst du über die Crew sagen, mit der du unterwegs warst? Kanntet ihr euch bereits?

Es war eine wirklich internationale Crew. Großartige Reisepartner, allesamt. Ohne zu wissen, wie es mit dieser Welle klappen würde, oder ob wir überhaupt in diesem Fluss surfen würden – wir alle hatten vom Start weg riesigen Spaß zusammen. Nicht zuletzt wegen der enormen Vorfreude auf das was kommen würde, oder auch nicht… am Ende ging alles glatt, was uns natürlich schlussendlich vollkommen glücklich gemacht hat.

Auch Tyler Larronde, junger Maui-Local mit Wohnsitz in Frankreich (hier Vordergrund mit Sonnenbrille) war Teil des Rip Curl Expeditions Teams. Ob er das erste Mal mit Tom Curren auf Tour war?

Welche Rolle haben die Jet Skies auf diesem Trip gespielt?

Ich denke die Jet Skies waren unabdingbar, um den Bono so extensiv surfen zu können, wie wir das betrieben haben. Auch weil wir eine solch große Gruppe waren. Man kann den Bono sicher auch ohne Jet Skies surfen, aber das würde bedeuten, dass man pro Tag nur eine Sektion surfen könnte. Man hätte keinerlei Chance die nächste Sektion zu erreichen. Die Jet Skies waren demnach Gold wert.

Was war für dich der beste Moment des Trips?

Es gab diesen einen, ehrlich gesagt unendlich langen Moment, in dem ich minutenlang an einer wunderschön geformten rechten Wand entlang surfte und mir dachte: „Wow, das ist wirklich unglaublich cool!“

Du meintest es sei „der besten Search Trip in den vergangenen zwanzig Jahren gewesen“. Kannst du erklären warum?

Die Search Trips waren immer cool, weil man nie so richtig wusste, was man zu erwarten hatte. Bei diesem Trip war das besonders extrem. Er war daher so ziemlich das Nonplusultra in Sachen Search Trips und hat die Original Idee dieser Reisen wieder aufleben lassen.

Fluss oder Ozean, das ist hier die Frage. Das Potenzial, das der Kampar und sein Wellenphänomen Bono bergen ist unermesslich.

Text: Henner Thies
Fotos: Nate Lawrence und Ted Grambeau