Geboren in der Bretagne, ist Romain Cloitre im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Réunion umgezogen. Noch heute freut sich der 22-jährige über diesen Lebenswandel. Verständlich, ist er doch erst auf Reunion zum Surfen gekommen. Doch so sehr er seine Heimatinsel liebt, als Surfprofi ist er mehr unterwegs als zuhause. Selbst einen Geburtstag hat das blonde Energiepaket am Flughafen verbracht. Aber keine Sorge: Romain weiß wie man mit Langeweile umzugehen hat. Und geduldig, das hat er während der letzten vier Jahre WQS-Teilnahme gelernt, ist er auch noch. Romain Cloitre über das ständige Unterwegssein und das Leid mit der neuen Weltrangliste.
TIDE: Romain, deinen 20sten Geburtstag hast du am Flughafen verbracht. Bestimmt nicht freiwillig, oder?
Romain Cloitre: Sicher nicht (lacht). Ich war auf dem Weg zurück aus Brasilien. Ich bin so gegen 8:00 Uhr früh in Paris CDG gelandet und mein Anschlussflug nach Hause, nach Réunion, ging erst um 22:00 Uhr. Leider hatte ich beim buchen meines Fluges nicht genau auf’s Datum geschaut und die Zeitverschiebung nicht mit eingerechnet. So musste ich meinen 20. Geburtstag am Pariser Flughafen feiern. Aber so ist das. Wer so viel in der Gegend rumfliegt, wie ich, der feiert auch mal Geburtstag am Flughafen…
Wie hast du deinen Geburtstag denn schließlich zugebracht?
Normalerweise, wenn zwischen den Anschlussflügen viel Zeit ist, nehme ich mir für ein paar Stunden ein Hotel um dort zu relaxen, zu duschen und solche Dinge. Wenn das nicht drin ist, vertreibe ich mir die Zeit für gewöhnlich mit meinem Laptop, surfe im Internet, schaue Filme – das habe ich an meinem 20sten dann auch gemacht. Hilft ja nicht’s (lacht).
„Die World Juniors 2007 zu gewinnen war großartig!“
Seither bist du für die World Qualifying Tour noch häufiger unterwegs. Seit wann pflegst du diesen reiseintensiven Lebensstil?
Ich habe schon als Junior an WQS Events Teil genommen. Damals allerdings eher sporadisch und nur an den kleinen Contest in Europa. Die ganze Tour samt der hochdotierten fünf- unf sechs-Sterne-Contests fahre ich seit 2009 mit.
Zuvor hast du noch die europäischen Junior Championchips gewonnen. Genau. Das war 2007. Danach habe ich begonnen mich zunehmend auf die WQS zu konzentrieren, bis ich dazu übergehen konnte, die gesamte Saison mitzufahren.
Wie wichtig war es für dich die European Juniors 2007 zu gewinnen?
Das war großartig! Von den fünf Wettkämpfen, die in die Wertung für die World Juniors eingehen habe ich damals drei gewonnen. Das war schon toll! Von Juni bis August. Zwei Contests in Portugal, zwei in Spanien und zwei in Frankreich.
Vier Jahre später schielst du mit einem Auge auf die Qualifizierung für die WCT. Wie realistisch sind deine Chancen dies im nächsten Jahr tatsächlich zu schaffen?
Es ist hart. Keine Frage. Zumal sie die Regeln ja kontinuierlich verändert haben. Seit diesem Jahr gibt es die klassische Zweiteilung in WQS und WCT ja im Prinzip nicht mehr, weil sie die zwei Ligen wenn man so will zu einem World Ranking zusammengelegt haben. Noch dazu gibt es auf der World Championchip Tour nunmehr nur noch 32 statt wie zuvor 44 Plätze. Für uns QS-Jungs heißt das, dass uns in den großen, hochdotierten QS-Contests nun auch des Öfteren Jungs wie Kelly Slater oder Taj Burrow über den Weg laufen.
„Für den Sport ist die Regelung eine gute Sache, für uns QS-Jungs ist das eine bittere Pille.“
Was denkst du persönlich über diese Regeländerung?
Ich denke für den Sport ist die Änderung sehr gut. Zumal sich seit zehn Jahren an der Zweiteilung in QS und CT nichts geändert hat. Für mich persönlich kommt diese radikale Veränderung aber zu schnell und zu plötzlich. Man muss sich das mal vorstellen von jetzt auf gleich gab es für die „Aufsteiger“ aus der WQS in der WCT statt den üblichen 16 Plätzen nur noch vier! Für uns QS-Jungs ist das eine bittere Pille.
Im Moment stehst du auf der „neuen“ Weltrangliste auf Platz 121. Was ist dein Ziel für diese Saison. Wo möchtest du hin?
Das ist schwierig zu sagen. Definitiv wieder weiter nach oben. Die letzten zwei Jahre liefen beide nicht ganz so gut wie ich mir das erhofft hatte. Die Top 70 wären ein Traum. Dann wäre ich unter den besten 35 QS Jungs. Damit könnte man auch mit Blick auf nächstes Jahr gut arbeiten. Sich für die Dream Tour zu qualifizieren wird härter und härter.
Auch weil du seit deinem sechsten Lebensjahr auf Reunion lebst, die meisten WQS-Contests aber in und um Europa stattfinden.
Ja das ist schon ein Problem. Im Prinzip ist meine Basis als Profi-Surfer, der ich seit meinem 17. Lebensjahr bin, Frankreich. Hier bin ich näher an meinen Sponsoren und am ganzen Contest-Geschehen. Vor allem über den Sommer. Réunion und meine Familie besuche ich trotzdem regelmäßig. Das muss ich auch. Ich liebe Réunion. Eine bessere Insel zum Trainieren wie zum Leben gibt’s für mich nicht. Alles in allem ist das aber kein Problem für mich. Sobald meine Profi-Karriere zu Ende ist, kann ich so viel und so lange auf Reunion abhängen, wie ich will.
Weitere Infos zu Romain findet ihr auf seinem Blog:
http://romaincloitre.blogspot.com/
Interview: Henner Thies
Fotos: WE photoagency






