Da sitzt er nun. Direkt vor uns: Laird Hamilton. Der Mann, der mit dem Tow-In-Surfen in Jaws begonnen hat. Jener Pionier, der Teahupo‘o mit seinem lebensmüden Millenium-Ritt 2000 mit einem Mal zu Weltruhm verholfen hat und der an „schlechten“ Tagen lieber Foil-Surfen oder Windsurfen geht anstatt im Line-Up mit 100 anderen um „mittelmäßige“ Wellen zu kämpfen. Ein gebrochenes Schlüsselbein nennt er eine funktionelle Verletzung.
Laird Hamilton. Das heißt „full-on“, egal ob im Wasser oder im Gespräch – Laird gibt Hundert Prozent, schlicht und einfach weil er zu viel Energie hat um es nicht zu tun. Seine Aufmerksamkeit während des Interviews gleicht der eines Panthers – umringt von fünf neugierigen Zitat-Jägern von denen ein jeder im nächsten Moment einen fragenden Angriff starten könnte. Doch Dasitzen und das Ausformulieren bereits tausendmal beantworteter Fragen abzuwarten ist seine Sache nicht. Lieber nimmt Laird Gedanken und Fragen vorweg, antizipiert und interpretiert und beantwortet Fragen, bevor sie gestellt sind.
Laird hat zu allem eine Geschichte, deshalb erzählt er sie auch – lebhaft und glaubwürdig. Um sicher zu gehen, dass sein Gegenüber ihn auch richtig verstanden hat, wiederholt Laird oft das Ende seiner Sätze, bevor er sie nach einer kurzen Pause weiterführt. Vergisst er einmal eine Sprechpause zu machen, bringt er den Gedanken eben zu Ende ohne vorher nochmals Luft zu holen. Dann sieht man wie die ohnehin sichtbaren Adern seines kompakten Halses noch deutlicher zum Vorschein treten. Anschließend lacht er sein kurzes Stakkato-Lachen, guckt in die Runde und nimmt den Faden wieder auf…
Laird, lass uns über was Neues reden: Big-Wave-Surfen. Wie läuft die Suche nach großen Wellen im Moment – es ist ein wenig ruhig um dich geworden.
(lacht) Die letzte denkwürdige Session hatten wir vergangenen Dezember. Peahi war so schön und freundlich wie nie. Womöglich der beste Tag den ich dort je erlebt habe. Abgesehen davon liegen meine Interessen im Moment eher beim Stand Up Paddle Boarden (SUP). SUP ist so ziemlich das Einzige, was ich derzeit mache, außer es ist riesig. Es ist schwierig mich von diesen Dingern runter zu kriegen. Ich habe sogar schon versucht es einige Tage bewusst sein zu lassen, aber ich kann es nicht lassen – es macht einfach zu viel Spaß!
„I tried to put it down, but I couldn‘t. SUP‘s just too much fun! It‘s too much fun!“
Du bist ein Erfinder – woran arbeitest du im Moment? Sicher hast du neue Projekte?
Oh ja. Ich will schon bald große Wellen unter Wasser reiten können. Die größte Herausforderung ist dabei den enormen Strömungswiderstand der Haut zu umgehen. Dieser wird ab einer bestimmten Geschwindigkeit zu groß um ihm standhalten zu können. Deshalb arbeite ich gerade mit einer deutschen Firma an einer Art Unterwasserbob, in dem man vor dem Strömungswiderstand geschützt ist und in dem man so schnell fahren kann, wie es die Welle erlaubt, ohne das der Körper das Limit setzt.
Das Hauptproblem ist, dass Wasser rund zehn mal dichter ist als Luft. 10 Meilen pro Stunde (mph) unter Wasser entsprechen bereits einem Strömungswiderstand an der Luft von 100 mph. Bei 15 mph unter Wasser sind das schon 150 mph an Land und so weiter. Da man ungefähr 30 mph schnell sein müsste um mit einer großen Welle unter Wasser mithalten zu können, muss man einen Strömungswiderstand von bis zu 300 mph aushalten können. Ohne eine zusätzliche stromlinienförmige Hülle, ist der Körper nicht im Stande diese Kräfte auszuhalten.
Das hört sich ziemlich verrückt an! Wie würde man denn in einer solchen Hülle atmen – durch eine Sauerstoffflasche?
Wahrscheinlich nicht. Eher durch eine Art Luke, durch die man an der Wasseroberfläche einige Atemzüge machen kann, bevor man die Luft anhält. Die Ritte müssten ohnehin nur zwei Minuten dauern – viel Sauerstoff braucht man in dieser Zeit also nicht wirklich.
„I have a desire to ride really big waves under water. I think for me, that is the most interesting area at the moment. First because of the hydrodynamics of it and second because it‘s uncrowded there!“
Und wie startest du die Wellen im Seabob unter Wasser an?
Entweder lasse ich mich von einem Jetski ziehen, oder es klappt tatsächlich mit dem Seabob, den deutsche Ingenieure entworfen haben. Er könnte eventuell genügend Kraft haben um in die Wellen zu gelangen. Wenn man die Welle einmal hat und die Energie der Welle dich trägt, kommt es nur noch darauf an, dass der Bob schwer genug und stromlinienförmig geschnitten ist.
Wie genau würde ein solcher Ritt funktionieren?
Die Grundidee ist es, Swells zu reiten, die überhaupt nicht brechen. Beispielsweise eine Riesenwelle, die zwar eine Dünung hervorruft, aber sich nicht überschlägt. In meiner Vision gleite ich in einer solchen Welle mit dem Kopf voran durch kristallklares Wasser. Es ist allerdings nur eine Idee, die ich habe. Ich denke nicht, dass dies ein außerordentlich beliebter Sport werden wird.
Wie kommst du auf die Idee, in einem Unterwasserbob Wellen zu reiten, die nicht brechen?
Zum Einen vom Unterwasser-Bodysurfen. Zum Anderen durch die Foil-Boards, die ich seit einigen Jahren baue und surfe und von deren Effizienz ich begeistert bin. Sobald man den richtigen Shape für einen solchen Unterwasserbob gefunden hat, muss man lediglich einige Ruder anbringen – einige für Auf- und Abwärts- und andere für seitliche Bewegungen, die man entweder mit den Händen, oder auch den Füßen steuern kann – dann kann der Spaß losgehen.
“It‘ll be nice. Seems like dolphins have a good life: they eat, have sex, ride some waves – that‘s a good life!“
Und das funktioniert?
Ja. Klar, es ist teuer und kostet eine Menge Zeit solche Dinge zu entwickeln, aber es lohnt sich. Vieles existiert bereits: ich habe zum Beispiel einen Seabob, mit dem ich bereits einige Wellen geritten bin. Aber wie gesagt: das Problem derzeit ist die Geschwindigkeit und der enorme Reibungswiderstand, der dabei entsteht! Sobald ich 15 mph erreiche, kann ich mich an meinem jetzigen Seabob nicht mehr festhalten, da reißt es mich einfach von dem Ding weg.
Was interessant ist: Stell dir vor, du steckst in einer fünfzig Zentimeter großen Welle und reitest sie unter Wasser zum Strand, wie es die meisten Leute im Shorebreak machen – hast du vor Augen wie sich deine Haut durch den Wasserwiderstand riffelt? Damit sich deine Haut beim Skydiven riffelt musst du mindestens 120 mph schnell sein. Keine zwei Meter vom Strand entfernt nimmst du also die Geschwindigkeit eines Skydivers auf! Ist das nicht unglaublich?
Damit bist du auf dem besten Weg, zu einem Delphin zu werden.
Das wäre schön! Sieht aus als hätten die ein ziemlich angenehmes Leben: sie essen, haben Sex, reiten ein paar Wellen – das ist ein gutes Leben.
“The foil board: This winter we rode waves for two minutes – on a wave that never broke!“
Vollziehst du diese Umstellung, von auf dem Wasser surfen hin zum Surfen unter Wasser, weil du das Gefühl hast, Big Wave Surfen und Surfen generell verkommt zum Trend?
Eigentlich geht es bei jeder Veränderung, der ich mich in diesem Bezug stelle einzig und allein um mein ganz persönliches Verlangen danach, die Energie der Wellen auf immer neue Art und Weise zu spüren. Die Foil-Boards waren dabei nur der Anfang. Aufgrund der positiven Erfahrungen, die wir mit den Foil Boards gemacht haben, wie gut sie funktionieren und auf Veränderungen reagieren, haben wir großes Vertrauen was das Surfen unter Wasser betrifft. Diesen Winter sind wir Wellen auf den Foil-Boards bis zu zwei Minuten lang geritten – auf Wellen die niemals gebrochen sind!
Abgesehen von den Foil Boards mache ich seit Jahren Unterwasser-Bodysurfen und gehe immer öfter mit dem Seabob raus – am Ende verbinden sich all diese Dinge zu dem Traum minutenlang unter Wasser surfen zu können. Ich will eintauchen! Das Geniale am Unterwassersurfen ist ja Folgendes: Was uns beim Surfen auf dem Wasser – vor allem beim Big-Wave-Surfen – am meisten beeinflusst, ist die Oberflächenstruktur des Wassers, die Unebenheiten etc. Unter Wasser gibt es keine Unebenheiten! Da gibt es keinerlei Instabilitäten.
Scheint als fasziniert dich dieses Projekt wie keines deiner vorherigen?
Das stimmt. Ich werde ständig dorthin zurückgezogen. Dieses Projekt erfordert weit mehr Forschung und Entwicklung als jedes meiner vorherigen Projekte. Man braucht eine Menge Geduld bis alles zueinander findet: Vor kurzem habe ich jemanden getroffen, der durchsichtige Plexiglas-Hüllen bauen kann. Das wäre natürlich ein Traum, unter Wasser surfen und dabei eine 360°-Sicht genießen. Aber es stimmt. Mein Verlangen nach neuen Erfahrungen lässt solche Dinge immer wieder mit mir geschehen. Sobald etwas angesagter wird und zum Trend zu werden scheint, verliere ich das Interesse daran. Oft ist das aber auch deshalb der Fall, weil ich schon sehr viel früher mit etwas begonnen habe. Wenn ich schließlich das Interesse an dieser Sache verliere beginnen die meisten erst es interessant zu finden. Um ehrlich zu sein: Ich glaube, dass das Zufall und ein Ergebnis der Umstände ist.
Du willst also nicht ständig einen Schritt voraus sein?
Niemals. Sobald du anfängst so zu denken, wirst du niemals vorneweg gehen. Stattdessen wird alles was du tust zerfahren und angestrengt wirken, anstatt zu funktionieren.
“Perfection is the smothness of a woman‘s skin without a blemish!“
Bezogen aufs Wasser – was bedeutet für dich Perfektion?
Perfektion im Surfen bedeutet, wenn sich kein einziger Tropfen Wasser an der falschen Stelle befindet. Wenn jedes Molekül seinen Platz hat. Perfektion ist die Sanftheit einer Frauenhaut ohne jeden Makel. Teahupoo beheimatet diese Perfektion immer wieder. Perfektion bedeutet auch etwas Schwieriges leicht aussehen zu lassen.
Findet diese Art Perfektion auch im heutigen Surfsport noch genügend Anerkennung, da die Manöver nicht radikal genug aussehen können?
Eben nicht. Genau das ist eines der großen Probleme, die ich mit dem modernen Wettkampf-Surfsport habe. Es sieht aus als meinten die Meisten: wie ich es normalerweise machen würde, sieht es zu einfach aus, deshalb lasse ich es schwieriger aussehen, als es ist, damit die Leute glauben es sei schwieriger als es in der Tat ist! Ich habe das schon oft gesehen. Womit wir wieder bei der Frage wären, was Perfektion ausmacht. Wenn wir beispielsweise einen Vogel betrachten, dann fliegt dieser so anmutig und schwerelos wie er kann, anstatt einen Flügel verquer in die Luft zu halten um es hart aussehen zu lassen! Das Ziel ist doch etwas super Schwieriges spielend leicht aussehen zu lassen – ein Paradebeispiel ist Ballett. Da sieht man was Perfektion bedeutet.
Gibt es weitere Dinge, die dich am modernen Surfsport stören?
Oh ja. In gewisser Weise die enorme Spezialisierung, die mit einer Art Flüchtigkeit und Schlampigkeit einhergeht. Leute lernen Shortboard-Tricks in einem Sommer, aber einen perfekten soliden Turn, ohne jede überflüssige Bewegung lernt heute niemand mehr. Es dauert den Leuten zu lange! Ich habe mich vor kurzem mit Gerry Lopez unterhalten und auch er war erstaunt wie ausdifferenziert der Surfsport geworden ist. Sowohl durch die Ausrüstung als auch durch das Image, was Firmen und Magazine verbreiten. Immer weniger Leute können mit immer weniger Bedingungen als Surfer etwas anfange. Für sie müssen die Bedingungen perfekt sein und sie fahren nur dieses eine Shortboard. Und alles andere macht keinen Spaß? Das glaube ich nicht.
“That‘s a little bit dangerous: We give children men‘s money! Repeat: Children – men‘s money! And that starts to undermine their desire because they already got their reward.“
Da du gerade so in Fahrt bist – Was noch?
Ein weiteres Problem habe ich mit der Tatsache, dass wir Kinder heutzutage wie Erwachsene bezahlen. Ein Umstand, der die Kids nicht dazu zwingt hart zu arbeiten und sich zu beweisen, bis sie an den Punkt gelangen, wo sie sich ihr Geld wirklich verdient haben. Stattdessen bekommen diese Kids ihre Belohnung verfrüht, sodass ihr Verlangen nach Geld, Anerkennung und Erfolg untergraben wird, weil sie all das bereits bekommen haben. Also lehnen sie sich zurück und plötzlich verschwinden sie von der Bildfläche und jeder denkt sich: Oh ich dachte er wäre der neue Stern am Surfer-Himmel. Es gibt wenige Ausnahmen, die genug Eigenmotivation und Disziplin mitbringen, sich von dieser verfrühten Belohnung nicht von ihrem Weg abbringen zu lassen, irgendwann der Beste zu sein.
Ist Kai Lenny eine solche Ausnahme?
Kai ist einzigartig. Zu allererst einmal ist er offenherzig gegenüber allem was neu ist. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass er seine ersten Schritte im Windsurfen auf offener See und für sich allein gemacht hat anstatt im Line-Up irgendwelchen Gruppenzwängen zu unterliegen. Das ist eine vollkommen andere Ausgangslage. Zum anderen gehört er nicht zu den Leuten die sagen: „Ich bin gut in dem was ich mache, also versuche ich nichts Neues.“ Eine beliebte Ausrede für diese Leute ist es zu sagen: “SUP? – Oh that sucks!“ Und das ist verständlich: Wenn man einmal in einer Sache sehr gut war, möchte man kein Beginner mehr sein.
Ich kenne das von mir selbst. Hätte ich niemals mit dem Windsurfen angefangen, hätte ich niemals Jaws gesurft! Wenn ich nicht erfahren hätte, wie es ist ein Mädchen auf dem Windsurfbrett rein und raussurfen zu sehen, während ich permanent unter meinem Segel verschwunden bin, wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Also habe ich gesagt: Wenn du das kannst, kann ich das auch. Wenn man da einmal durch ist, kann einen nichts mehr abschrecken.
“The willingness to learn something new, that‘s what really stops people from experiencing some of the best stuff.“
Und Kai hat diese Einstellung?
Und ob. Noch dazu gibt es heutzutage bereits all diese unterschiedlichen Ausrüstungen, die ihm zur Verfügung stehen. „Kai – hier ein Windsurfbrett. Oh cool. Kai – hier hast du ein Foil Board, oder einen Kite, oder hier probier mal das SUP.“ So gesehen hat er wirklich das perfekte Umfeld um in all diesen Dingen gut zu sein. Als ich mit dem Surfen anfing gab es weder Windsurfen, noch Kiten, noch Foil-Boards. Wir hatten nicht einmal Boogie-Boards! Zum einen kann sich Kai also glücklich schätzen, in diese Generation der Surfer hineingeboren zu sein, zum anderen ist er sehr verantwortungsbewusst und weiß um das Erbe, dass er antritt. Kai ist ein guter junger Mann und wir brauchen mehr von seinem Kaliber in unserer Industrie.
Du wärst also lieber etwas später geboren?
Nein. Ich würde nichts von dem was ich erlebt habe für das aufgeben was ich hätte erleben können. Meine Erfahrungen gehen mir über alles. Ich muss nicht mehr jung sein. Außer ich könnte all meine Erfahrung mitnehmen, aber dann wäre ich ja nicht mehr jung! Denn jung sein bedeutet ja unerfahren zu sein.
Was fällt dir zur Debatte über ein mögliches Verbot von SUPs an kalifornischen Stränden ein?
Das Problem mit den SUPs ist ein menschliches. Die Menschen sind das Problem nicht das Gerät, das sie bemühen. Gefährliche Menschen sind gefährliche Menschen. Wenn jemand sein Brett nicht kontrollieren kann, ist es völlig egal was für ein Brett er surft – er ist eine Gefahr für die anderen. Also muss er sich seine Mängel eingestehen und etwas weiter den Strand runter gehen um zu üben. Sobald er das nötige Können besitzt wird niemand was dagegen haben, dass er sich neben sie ins Line-Up setzt.
Viele Surfer haben sicher nur Angst man könnte ihnen etwas nehmen – zu viele gute Wellen zum Beispiel.
Aber es ist doch nicht wirklich mein Problem, wenn jemand, der sieht, dass an einem Spot zehn Longboarder und vier SUPs unterwegs sind, sich sein Shortboard schnappt um dann im Line-Up festzustellen, dass er weniger Wellen bekommt als die anderen. In dem Moment in dem er sich für das kurze Brett entscheidet, macht er sich unglücklich – niemand sonst ist für seinen anschließenden Frust verantwortlich. Ein ganz anderes Problem ist, dass heutzutage niemand mehr bereit ist etwas vollkommen Neues auszuprobieren – vor allem die besseren Surfer sind da äußerst resistent.
“If you took a 6‘ thruster and a SUP back to the ancient Hawaiian times, they would look at the thruster and say: What‘s this for? Whereas they‘d look at the SUP and say: Oh I know how to do this!“
Aber ist das nicht zu einem gewissen Maße verständlich?
Klar. Etwas Neues anfangen bedeutet immer einen gewissen Grad an „Zerstörung“. Immerhin gibt man kurzzeitig etwas auf, von dem man glaubt es zu beherrschen. Meiner Meinung nach ist gerade dieser Zustand aber ein einzigartiger äußerst lebendiger. Plötzlich sind alle wieder Anfänger. Du kannst noch so ein guter Surfer sein, wenn du auf ein SUP umsteigst beginnst du von Neuem etwas zu lernen. Ich sehe das Ganze eher als eine mentale Krise, in die sich der Anfänger in diesem Fall freiwillig begibt um gestärkt aus ihr hervorzugehen. Die wenigsten sind dazu bereit den nötigen Schritt zurück zu machen, den es braucht um von vorn anzufangen. Das ist das größte Problem. Mit dem Ausrüstungsgegenstand hat das kaum etwas zu tun. Hier passiert im Moment dasselbe wie damals unter den Skifahrern, als das Snowboarden erfunden wurde.
Und was ist mit dem Vorwurf: SUP habe mit Surfen nichts zu tun?
Auch das folgt einem altbekannten Schema: Hier findet das Gesetz des Stärkeren seine praktische Anwendung. Ein Shortboarder sieht ein SUP, fühlt sich bedroht und benachteiligt und sieht den Status quo gefährdet. Also versucht er dieser für ihn potentiell negativen Veränderung einen Riegel vorzuschieben. In der Geschichte des Surfens gab es immer wieder Leute, die die bestehenden Regeln durch den Einsatz neuer Bretter zu ihren Gunsten umgeschrieben haben. Wie immer man die Thematik bewerten mag – SUP ist Surfen! Wenn du ein sechs Fuß Thruster und ein Stand Up Paddle Board samt Paddel ins alte Hawaii zurück beamen und den alten Hawaiianern dort zeigen würdest, dann würden sie dich beim Anblick des sechs Fuß Thrusters fragen: „Was macht man denn damit?“ Beim Anblick des SUP würden sie hingegen sagen: „Oh yeah, ich weiß wie man damit umgeht.“
“The joy SUP brought me, is just amazing. So nowadays that‘s what I do – I go SUP!“
Woher kommt deine Faszination für das SUP?
Ich kann auf einem SUP in größere Wellen hineinpaddeln, als jemals zuvor. Bald werden wir in Teahupoo Wellen anpaddeln, in die wir uns üblicherweise hineinziehen lassen würden. Diese Disziplin ist gut für jeden von uns, weil sie Surfen wieder zugänglicher macht. 50jährige Frauen entdecken wieder die Lust am Surfen – wegen des SUP! Leute wie Mickey Muñoz, die verletzungsbedingt kaum noch zum Surfen gehen konnten, profitieren vom SUP weil sie es auch in ihrem Zustand ausüben können. Wenn Leute wie Gerry Lopez nach einer SUP Session zu mir sagen: „Ich kann mich nicht erinnern wann ich zum letzten Mal so viel Spaß hatte.“ – Was will man dazu sagen außer: „Hattest du schon aber das letzte Mal warst du zwölf.“ Ich sympathisiere mit dieser Disziplin und ihrem aktuellen Boom.
Um das Thema abzuschließen – wohin führt uns das SUP?
SUP wird größer werden als wir uns das im Moment vorstellen können. In Malibu haben sie mittlerweile Autosticker auf denen steht „Blame Laird“. Das ist doch verrückt. Aber gebt mir ruhig die Schuld wenn es gut tut. Denn letztlich verpasst jeder der sich dem SUP so kategorisch verschließt, eine der freudvollsten Arten zu surfen überhaupt. Am Ende des Tages sitzen diese Jungs am Strand, wenn ich auf meinem SUP Mush surfe und mehr Spaß habe, als die meisten in perfekten Bedingungen. Wie gesagt: Ich befürworte den Vormarsch auf dem sich das SUP gerade befindet. Es ist ein wenig wie eine Flut, ein Hochwasser – du kannst ein Hochwasser nicht stoppen. Es wird kommen und das einzige worauf es dann ankommt, ist, wie man damit umgeht.
Interview: Henner Thies
Fotos: Oxbow, Henner Thies








