Bethany Hamilton über ihren Glauben an Gott und das Glück noch am Leben zu sein
Bethany Hamilton ist einzigartig. Das Schicksal hat sie auserwählt dies zu sein – könnte man meinen. Doch es ist nicht nur die Haiattacke aus dem Jahr 2003, bei dem die junge Hawaiianerin ihren linken Arm verlor, die sie von anderen Surferinnen unterscheidet. Es ist die Art und Weise, wie sie mit diesem einschneidenden Erlebnis seit jeher umgeht, die sie so besonders macht. Interview mit einer, die sich – bei Gott – nicht unterkriegen lässt.
TIDE: Bethany, wann und warum hast du mit dem Surfen angefangen?
Ich bin auf der hawaiianischen Insel Kauai aufgewachsen. Da in meiner Familie alle surfen und den Strand lieben, war es für mich von Kindheit an ganz natürlich jeden Tag im Ozean zu verbringen. Ich war also schon immer ein Wasserkind. Mit dem Surfen habe ich angefangen als ich 5 Jahre alt war. Ich glaube ich mochte vor allem das Adrenalin, die Herausforderung und natürlich den Spaß, den ich beim Surfen hatte. Ich wurde schnell besser und war hooked.
Was sind einige der lebendigsten Erinnerungen an deine frühe Kindheit?
Ich kann mich an einige lustige Dinge erinnern: Mum’s Zuhause-Haarschnitte, oder wie sie mich und meine Brüder ums Haus gejagt und zum Joggen angespornt hat, damit wir unsere Energie loswerden. Klingelputzen mit meiner Freundin Alana (Blanchard) bei Andy Irons Haus und Ganztages-Surftrips zur Westseite der Insel mit meinem Dad!
„I think being so young by the time helped because you’re more resilient when you’re younger.“
Als du 13 Jahre alt warst, sahst du dich plötzlich einer Herausforderung gegenüber, die selbst Erwachsene vor echte Probleme gestellt hätte. Was ist das erste was dir heute in Bezug auf die Haiattacke vom Sommer 2003, bei der du deinen linken Arm verloren hast, in den Sinn kommt?
Ich bin einfach nur dankbar dafür noch am Leben zu sein und dass Gott mir die Kraft geschenkt hat auch diese Herausforderung zu meistern.
Wie hast du es geschafft dieses traumatische Erlebnis zu verarbeiten – sowohl als Surferin als auch als die dreizehnjährige Teenagerin, die du damals warst?
Mein Glaube an Gott war schon immer sehr stark. Ich bin mir sicher, dass mir mein Glaube in ganz besonderem Maße dabei geholfen hat, diese Erfahrung zu verarbeiten. Plus: Ich habe eine sehr liebevolle und unterstützende Familie und Gemeinde, die stets zu mir halten. Ich glaube außerdem es war hilfreich, so jung zu sein, weil man unverwüstlicher ist, wenn man jünger ist. Damals habe ich einfach weitergemacht mit meinem Leben und das Beste aus meiner neuen Situation gemacht, ohne mir groß den Kopf zu zerbrechen. Ich war dankbar für das Leben an sich. Als Surferin hat mir der Ozean dabei geholfen meine Wunden sowohl seelisch als auch physisch zu verarzten. Das Surfen, das im Ozean sein, dieser ganze Lifestyle war ein so großer Teil von mir, dass es sehr heilsam war dorthin zurückzukehren – auch wenn ich merkte, dass ich von nun an viele Dinge anders machen müsste. Für mich bedeutete die schnelle Rückkehr ins Meer, das mein Leben normal weiter gehen konnte. Zumindest so normal wie möglich.
„Going back in the water I still knew how to surf, I just had to figure out how to do it with one arm.“
Keine drei Wochen nach der Attacke bist du zurück ins Wasser gegangen – was war das härteste an deiner Rückkehr in die Wellen?
Nun ich wusste ja schon wie man surft. Alles was ich lernen musste war, wie man es mit einem Arm tut. Also habe ich wieder auf einem Longboard angefangen um herauszufinden wie ich mich mit eigener Kraft in Position bringen, Geschwindigkeit erzeugen und mit einem Arm aufstehen und vor allem wie ich es hinaus ins Line-Up schaffen kann. Langsam kam ich dahinter, dass ich dazu vor allem meinen Kopf mehr gebrauchen müsste. Das waren die Anfänge. Später hat mir mein Dad eine Art Hantel-Griff auf mein Shortboard montiert, damit ich mein Brett leichter Duckdiven kann um ins Line-Up zu gelangen. Natürlich musste ich auch von neuem an meinem Gleichgewicht arbeiten und viel in diese Richtung trainieren.
Was waren konkret einige der größten Anpassungen, die du vornehmen musstest um mit einem Arm erfolgreich surfen zu können?
Ich habe mir angewöhnt während dem Paddeln, vor allem aber beim Anpaddeln einer Welle verstärkt mit meinen Beinen zu schlagen, was mir zum einen hilft etwas Kraft für meinen Arm zu sparen, zum anderen gibt es mir mehr Stabilität und Geschwindigkeit. Mich gut und klug an einem Spot zu Positionieren ist auch von großer Wichtigkeit. Wie gesagt, ich musste vor allem klug an die Sache heran gehen und mein Wissen bewusst zu meinen Gunsten nutzen, um mit meiner neuen Situation im Wasser klarzukommen.
„If I had two arms I’d probably be doing a lot of the same things I’m doing now, training wise.“
Mit zwei gesunden Armen zu surfen ist schwer genug – du hast gelernt es mit einem zu meistern! Hast du das Gefühl, dass du besonders hart trainieren musst um mit den anderen Top-Surferinnen mithalten zu können?
Ja. Ich glaube, dass es extrem wichtig für mich ist mich physisch und auch psychisch fit zu halten. Auf der anderen Seite würde ich viele Übungen, die ich im Moment mache, auch dann machen, wenn ich zwei Arme hätte. Die Tatsache, dass ich seit ich dreizehn bin nur noch einen Arm habe, dürfte diesbezüglich also kaum einen Unterschied machen – außer, dass ich viele Trainingsübungen leicht verändert durchführen muss. Was das Mentale angeht, bemühe ich mich gerade in Wettkämpfen darum nicht zu sehr daran zu denken, dass ich nur einen Arm habe. In diesen Momenten ist es wichtig für mich, mich auf meine Stärken zu konzentrieren anstatt daran zu denken, inwieweit ich den anderen unterlegen sein könnte.
In Kürze wird dein Film Soul Surfer in den deutschen Kinos anlaufen. Kannst du dich daran erinnern wie und wann die Idee entstanden ist einen Film über deine inspirierende Geschichte zu drehen?
Das ist schon so lange her, dass ich mich kaum daran erinnern kann. Ich denke es war mein ehemaliger Agent, Roy Hofstetter, der mir und meiner Familie diese Idee 2004 zum ersten Mal präsentiert hat. Damals arbeiteten wir an dem Buch, auf dem der aktuelle Film beruht.
Im Film wirst du von der jungen amerikanischen Schauspielerin Anna-Sophia Robb gespielt. Warst du in den Castingprozess und die Auswahl der Schauspielerin mit eingebunden?
Oh ja. Da war ich voll und ganz dabie. Es war wirklich cool wie Anna-Sophia letztlich zu ihrer Rolle gekommen ist: Ein Film, der uns während des Castings wirklich begeistert hat, war Bridge to Teribithia. Ein wirklich bezaubernder Familienfilm. Als meine Mum und ich den Film anschauten, dachten wir uns beide „sie könnte Bethany spielen“ – Anna-Sophia hatte das nötige Aussehen, war athletisch und als Schauspielerin sehr talentiert. Also haben wir Anna-Sophia unserem Regisseur vorgeschlagen. Danach haben wir uns nicht mehr darum gekümmert. Gut ein Jahr später rief mich plötzlich mein alter Agent Roy an und meinte, dass die Hauptrolle für meinen Film besetzt sei und Anna-Sophia mich spielen würde. Ich bin total ausgeflippt, so sehr habe ich mich gefreut.
„I’m proud of the fact that I didn’t give up – on surfing, on God, on my friends & family, on joy and on life!“
Was war das für ein Gefühl am Film-Set zu stehen und zu sehen, wie jemand anderes dich spielt?
Nun, es ist nur ein Film und sie ist ein wenig anders als ich – für mich fühlte es sich nie so an, als würde sie tatsächlich versuchen „ich“ zu sein. Wenn ich mir den Film heute ansehe habe ich vor allem das Gefühl, dass sie einen klasse Job gemacht hat was den Kern der Geschichte anbelangt – das war für mich das wichtigste. Ich mag Anna-Sophia Robb sehr, nicht nur wegen ihres schauspielerischen Talents. Mittlerweile sind wir sehr gute Freundinnen geworden. Ich bin froh, dass sie der Star des Films ist.
Wenn du die Jahre Revue passieren lässt, die seit der Haiattacke 2003 vergangen sind und heute weißt, dass deine Geschichte nunmehr einem weltweiten Kinopublikum präsentiert wird – von all den Dingen, die du bisher erreicht hast. Worauf bis du am meisten stolz?
Ich bin stolz darauf niemals aufgegeben zu haben. Nie den Glauben verloren zu haben – ans Surfen, an Gott an meine Freunde, meine Familie, die Freude und das Leben! Es war und ist nicht immer einfach, aber es ist die Sache immer wert.
Nach allem was du durchgemacht hast und der Art und Weise wie du deinem Schicksal bis heute begegnest, kann man mit Fug und Rechtsagen, dass du für viele Menschen ein Vorbild bist. Fühlst du dich in dieser Rolle wohl?
Ich bin nach und nach in diese Rolle hineingewachsen. Mittlerweile fühle ich mich sehr wohl in meiner Rolle als Vorbildsperson. Ich weiß, dass es eine Welt voll junger Leute gibt, die ein positives Vorbild brauchen, die ihnen vorleben wie man sich klug verhält, sich treu bleibt, ein gesundes Leben führt und seinem Leben einen Sinn gibt. Ich fühle mich geehrt diese Rolle einnehmen zu dürfen und ich versuche mich der Verantwortung, die ich dadurch trage, stets bewusst zu sein.
Hast du konkrete Pläne für die Zukunft, die du in nächster Zeit in die Realität umsetzen willst?
Im Moment befinde ich mich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich mich entscheiden muss, wie lange ich meine professionelle Surfkarriere noch betreiben möchte. Meine Liebe und meine Leidenschaft für das Surfen sind ungebrochen, weshalb ich glaube, dass ich wohl noch einige Jahre daran arbeiten werde, die beste Surferin zu werden, die ich sein kann. Abseits der Surfszene eröffnen sich mir im Moment fast täglich neue Möglichkeiten, was mein zukünftiges Leben anbelangt. Für den Moment versuchen wir von Tag zu Tag zu entscheiden, was das Richtige für mich ist.
Mehr Infos über Bethany Hamilton findet ihr unter www.BethanyHamilton.com sowie auf ihrer Facebook-Seite und Twitter.
Interview: Henner Thies
Fotos: Kevin Metallier, Sparks, Rip Curl








